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Weniger Rekrutenspiele In der Kaserne Aarau wird es trotzdem nicht leiser

Alle Militärmusiker der Schweiz werden in Aarau ausgebildet. Wegen der neusten Armeereform sind es ab 2018 weniger.

Militärmusiker
Legende: In Aarau werden ab 2018 nur noch zwei statt drei Rekrutenspiele pro Jahr ausgebildet. Keystone

Für vieles in der Armee gibt es Kurzformen. Auch für die neuste Reform. WEA steht für «Weiterentwicklung der Armee». Ab Januar 2018 wird sie umgesetzt. Die Armee wird kleiner. Das trifft auch die Militärmusik:

  • 2 statt 3 Rekrutenspiele pro Jahr
  • 11 statt 16 Truppenspiele
  • Unverändert 4 Elite-Orchester des Armeespiels
Wir haben jetzt weniger Spiele. Aber sie sind qualitativ sehr sehr gut. Deshalb ist es musikalisch gesehen kein Verlust.
Autor: Philipp WagnerKommandant Militärmusik

Es ist noch nicht lange her, da gab es fast 100 Truppenspiele in der Schweiz. Schmerzt es den obersten Militärmusiker, dass die musikalische Abteilung der Armee nun weiter schrumpft?

Oberst Philipp Wagner, Kommandant des Kompetenzzentrums Militärmusik: «Als Blasmusiker finde ich persönlich: Je mehr Orchester es gibt in der Schweiz – ob militärisch oder zivil – desto besser! Aber es entspricht halt der Realität. Auch bei den zivilen Vereinen gibt es solche, die sich wegen Nachwuchsproblemen auflösen müssen. Und wenn die Armee kleiner wird, werden wir halt auch kleiner.»

Militärmusik mit Tambouren
Legende: Juli 2010: Das Rekrutenspiel musiziert am Umzug am offiziellen Tag des Eidgenössischen Schützenfests in Aarau. Keystone

Mehr Platzkonzerte

Weniger Orchester bedeutet weniger Auftritte. Ein Truppenspiel gibt pro WK zwei Saalkonzerte. Bei fünf Truppenspielen fallen also schon mal zehn Saalkonzerte weg. Zudem dauern die zwei verbleibenden Rekrutenschulen weniger lang, auch deshalb gibt es weniger Saalkonzerte.

Man werde das aber kompensieren, stellt Philipp Wagner in Aussicht: «Wir werden versuchen, mehr Platzkonzerte zu geben, mehr spontan aufzutreten. Wir versuchen wirklich, weiterhin so gut wie möglich das Bindeglied zwischen Armee und Bevölkerung zu sein.»

Schweizer Hymne ab CD

Am meisten Auftritte haben die Militär-Orchester für die Truppe, beispielsweise bei Fahnenzeremonien, Beförderungsfeiern und Jahresrapporten. Auch da erreiche man ja die Bevölkerung, meint Wagner, weil die Schweiz eine Miliz-Armee mit «Bürgern in Uniform» habe.

Zwar wird die kleinere Militärmusik auch weniger Auftritte für die Truppe geben können. Weil aber die ganze Truppe ja auch kleiner wird, gleiche sich das wieder aus, meint der Kommandant. Die Schweizer Hymne müsse deshalb nicht öfter ab CD abgespielt werden, als dies heute schon der Fall sei.

Standort Aarau wird gestärkt

Die Militärmusik wird ab 2018 zwar kleiner. Der Ausbildungs-Standort Aarau wird aber gestärkt, meint Kommandant Philipp Wagner. Zum einen werden die Musik-Rekruten nicht mehr nach Bern in die Verlegung gehen, sondern die ganze Zeit in Aarau stationiert bleiben. Zum anderen werden neu fünf bis sechs Truppenspiele ihre Wiederholungskurse in Aarau absolvieren.

Trotz Abbau bei der Militärmusik dürfte es in der Kaserne Aarau also nicht leiser werden. Im Gegenteil: Wenn im Verlauf des Jahres das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau gezügelt wird, werden künftig sogar viel mehr Personen in der Kaserne Aarau ein- und ausgehen als bisher.

Militärmusiker in Reih und Glied
Legende: Oktober 2017: Die Militärmusik umrahmt den traditionellen Olma-Umzug durch die Innenstadt von St. Gallen. Keystone

Zapfenstreich bleibt

Die Militärmusik wird ab 2018 zwar kleiner. Am Auftrag und am Programm ändert aber nichts. Nach wie vor würden die Konzerte mit Nationalhymne und einem Schweizer Marsch beginnen und mit dem Zapfenstreich beendet, sagt Militärmusik-Kommandant Philipp Wagner.

Dazwischen seien die jungen Spielführer (Dirigenten) nach wie vor sehr frei, das Programm selber zu bestimmen. «Wir schauen einfach, dass die Schweizer Literatur nicht zu kurz kommt», sagt Wagner. Der Auftrag, das blasmusikalische Erbe zu pflegen und zu hüten, gelte auch nach der neusten Armeereform noch.

Nicht nur für angehende Profis

Wenn es weniger Militärmusiker braucht, sinkt rein rechnerisch die Chance, dass Interessierte die Aufnahmeprüfung bestehen. Wagner gibt allerdings zu bedenken, dass es auch im Zivilen weniger ausgebildete Instrumentalisten gebe.

Wagner betont deshalb: «Jeder, der ein paar Jahre professionellen Unterricht gehabt hat und mit seinem Instrument seriös gearbeitet hat, hat absolut intakte Chancen, in die Militärmusik zu kommen.» Dass nur noch angehende Profi-Musiker die Aufnahmeprüfung bestehen, sei eine Mär.