Baselbieter Gemeinden ächzen unter Vormundschafts-Kosten

Seit Anfang Jahr gilt schweizweit das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht. Die Vormundschaftsbehörden sind damit zentral und professionell organisiert. Baselbieter Gemeinderäte sind froh über die Professionalisierung. Sorgen hingegen bereiten ihnen die hohen Kosten des neuen Systems.

Dorf Hölstein mit Autos und Waldenburgerbahn Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch die Gemeinde Hölstein ist von der Umstellung betroffen Paul Menz

Das neue Vormundschaftssystem kostet die Gemeinden viel Geld. «Wir beobachten eine besorgniserregende Kostensteigerung», sagt beispielsweise in Hölstein Gemeindepräsidentin Monica Gschwind (FDP) gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF. In ihrer Gemeinde haben sich die Kosten innerhalb von nur einem Jahr verdoppelt - von 90'000 auf 180'000 Franken.

Der Grund: Befanden in den früher meist kommunalen Vormundschaftsbehörden die Gemeinderäte über delikate Fragen wie Heimeinweisungen für Jugendliche oder Beistandschaften für demente Personen, so fällen nun Profis diese Entscheide. Ihre Arbeit kostet.

Neue Vormundschaftsbehörden funktionieren anonymer

Kommt hinzu: Die neuen regionalen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB; die Nachfolger der alten Vormundschaftsbehörden) sind zentralisiert - und funktionieren entsprechend anonymer als früher die Gemeinderäte. Die KESB sehen sich daher mit einer massiven Zunahme von Fällen konfrontiert.

Das sei kein Wunder, erklärt die Gemeindepräsidentin von Eptingen, Renate Rothacher, die im Gemeinderat früher selber Teil der kommunalen Vormundschaftsbehörde war: «Wenn Sie zur eigenen Gemeinde gehen müssen und dort sagen, dass Sie ein Problem haben mit Ihren Kindern, dann ist das eine Hemmschwelle.»

Karte mit Aufteilung der sechs Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden im Baselbiet Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Um Kindes- und Erwachsenenschutz kümmern sich im Baselbiet neu sechs regionale statt 66 kommunale Behörden zVg

Die neuen regionalen KESB kommen mit Arbeit daher kaum noch nach: «Nebst der Aufbauarbeit mussten wir eine unerwartet hohe Fallzahl bearbeiten», sagt Reinhard Studer, der Präsident der KESB Gelterkinden-Sissach, der auch Eptingen angeschlossen ist. «Das hatte zur Folge, dass wir in den ersten sechs Monaten viel Überzeit leisten mussten.»

Längere Wartezeiten

Folge für die Klientel: längere Wartezeiten. «Unsere Behörde macht sicher das Möglichste», sagt die Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind, «aber die Leute in der Gemeinde begreifen zum Teil gar nicht, warum das so kompliziert sein muss, wo es doch früher so einfach ging».

Trotz Mehraufwand: Unter dem Strich begrüssen die Gemeindepräsidentinnen von Hölstein und Eptingen die Systemänderung. Sie sind froh, müssen sie als Laien nicht mehr selber über heikle Fälle entscheiden. Die Kosten hingegen bereiten ihnen Sorgen.