Basler Kirchenratspräsident lehnt Kirchenasyl ab

Kirchenasyl sei nur denkbar in Extremsituationen, sagt Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Die Not abgewiesener Asylsuchender sei nicht gross genug. In der Kirche teilen nicht alle seine Meinung.

Lukas Kundert spricht am Rednerpult ins Mikrofon. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Münsterpfarrer und Kirchenratspräsident Lukas Kundert bei einer Begrüssung. Juri Weiss

Lukas Kundert, Präsident des Kirchenrats der evangelisch reformierten Kirche Basel-Stadt, äussert sich erstmals zum Kirchenasyl, nachdem am 3. März die Polizei die Räumlichkeiten der Matthäuskirche in Basel kontrolliert hat. Dabei hat sie acht abgewiesene Asylsuchende, die dort Schutz gesucht hatten, festgenommen. «Stellen Sie sich vor, wenn Institutionen von sich behaupten sie stünden über dem Recht» das wolle niemand.

Nur in Extremsituationen sei es für ihn gerechtfertigt, dass die Kirche Menschen in Schutz nehme: «Wenn 99.9% der Bevölkerung wieder sagt das Boot ist voll und die Juden ans Messer liefert. Dann muss die Kirche diese Menschen verstecken.» Wenn also die gesamte Bevölkerung sich an Gräueltaten beteiligt, dann muss die Kirche erst eingreifen, sagt Kundert, der in Basel auch Münsterpfarrer ist.

Christoph Albrecht vom Jesuiten Flüchtlingsdienst Schweiz widerspricht. Es gehe um Menschlichkeit: «Die Kirche muss an ihre Grundaufgabe erinnern. Menschen in Not zu helfen.» Christoph Albrecht ist der Meinung, dass die evangelisch-reformierte Kirche den Behörden den Ball zugespielt hat «die Äusserungen des Kirchenrats vor der Polizeikontrolle können tatsächlich so interpretiert werden, dass die Behörden jetzt eingreifen sollen.» Grundsätzlich bestehe aber immer noch Zurückhaltung der Behörden, wenn Menschen in Kirchen Schutz suchen.