Basler Prostituierten-Seelsorgerin geht die Arbeit nicht aus

Seit 100 Tagen arbeitet die Theologin Anne Burgmer im Auftrage der Katholischen Kirche beider Basel als Seelsorgerin für Prostituierte. Eine Erkenntnis dieser 100 Tage sei, dass sie zu den Frauen gehen müsse, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Umgekehrt funktioniere es nicht, sagt Anne Burgmer.

Die Theologin Anne Burgmer im Kleinbasel neben der Bermuda-Bar Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Theologin Anne Burgmer arbeitet im Rotlicht-Milieu. Foto SRF

Zusammen mit einer anderen christlichen Vertreterin besucht Anne Burgmer Sex-Arbeiterinnen an deren Arbeitsorten. Sie bieten den Prostituieren das Gespräch an. «Eigentlich habe ich ein Büro; das benutze ich aber selten.» Sie habe gemerkt, dass die Frauen zu gestresst seien, um sich Rat in ihrem Büro zu holen.

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Die Stelle

Die deutsche Theologin Anne Burgmer arbeitet seit dem 1. Januar 2016 als «Seelsorgerin im Tabubereich», wie die Stelle offiziell heisst. Auftraggeber ist die Katholische Kirche der beiden Basel. Die Stelle ist mit 40 Prozent dotiert und bis 2018 befristet. Eine Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche ist zurzeit nicht vorgesehen.

Dies ist ein Fazit, das Anne Burgmer nach den ersten hundert Tagen ihrer Arbeit zieht. Sie habe inzwischen auch festgestellt, dass es im Kanton Basel-Landschaft eine aktive Rotlicht-Szene gebe, von der man aber nur wenig wisse: «Hier auch Seelsorge anzubieten, dazu fehlt mir aber die Zeit.»

Anne Burgmer arbeitet auch mit der Beratungsstelle Aliena in Basel zusammen. Deren Leiterin Viky Eberhard schildert die Situation in der sogenannten Toleranz-Zone, dem früheren Strassenstrich, im Kleinbasel dramatisch: «Es gibt zu viele Frauen und zu wenige Kunden. Ausserdem sind die Preise eingebrochen.»

Darum seien Sex-Arbeiterinnen aus dem Ausland oft auch von Obdachlosigkeit und Armut betroffen: «Diesen Frauen raten wir manchmal auch einfach, in ihre Heimat zurückzugehen», sagt Viky Eberhard.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)