Stefan Felder: «Es gibt in der Region zuviele Spitalbetten»

Die Schlagzeilen rund ums Kantonsspital Baselland zeigen, dass es rund um die Baselbieter Spitalpolitik nicht gut bestellt ist. Gesundheitsökonom Stefan Felder von der Universität Basel ist der Meinung, dass man die Herausforderungen im Gesundheitswesen noch nicht in ihrer Tragweite erfasst hat.

Stefan Felder fotografiert im Studio des Regionaljournals. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stefan Felder hat an der Universität Basel eine Professur für Gesundheitsökonomie. SRF

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) ist seit Monaten immer wieder in den Schlagzeilen, auch wegen Chefärzten, die unzufrieden waren im Veränderungsprozess und ihre Stelle gekündigt haben. Mitte Februar ist die Situation eskaliert, dem viel kritisierten Spital-CEO Heinz Schneider wurde gekündigt und Verwaltungsratspräsident Dieter Völlmin hat seinen Rücktritt angekündigt.

Den Gesundheitsökonomen beschäftigt in dieser Eskalation vor allem, dass im Gesundheitsbereich grosse Änderungen anstehen, die nicht erkannt werden: «Offensichtlich ist man sich dem noch nicht hinreichend bewusst und man reagiert mehr, als dass man agieren würde», sagt Stefan Felder im Wochengastgespräch gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

«  Man steht vor einem Scherbenhaufen und muss nochmals von vorne anfangen »

Stefan Felder
Gesundheitsökonom Universität Basel

Es sei schwierig, den Schaden für das KSBL abzuschätzen. Insbesondere im Bruderholzspital stehen Investitionen an, die das Spital selber zahlen muss. Wenn nun Patienten wegbrechen, dann käme es zu Defiziten.

Überzählige Spitalbetten in der Region

Das Hauptproblem in der regionalen Spitallandschaft ist das Überangebot an Spitäler und Spitalbetten. In Basel-Stadt und Baselland ist die Bettendichte um rund 50 Prozent höher als in Rest der Schweiz. Aus diesem Grund sei es unvermeidbar, dass Spitäler schliessen werden. Es sei aber falsch die Notwendigkeit des einen oder anderen Spitals «von oben» anzuordnen. «Es muss sich erweisen, welche Spitäler überlebensfähig sind und welche zu wenig Einnahmen haben, die es ihnen erlauben, weitere Investitionen zu tätigen.»

Schwierige Situation für Bruderholzspital

Für das Bruderholzspital sei die Situation besonders schwierig, sagt Stefan Felder. «Es wird schwierig sein, diese Einrichtung Aufrecht zu erhalten». Dies einerseits wegen seiner Lage, direkt im «Speckgürtel» der Stadt, die Klientel kann auch in das nahe gelegene Universitätsspital abwandern. Andererseits weil im Bruderholzspital Investitionen anstehen, welche das Spital selber zahlen muss.

Politische Widersprüche

Die Situation sei widersprüchlich, sagt Gesundheitsökonom Stefan Felder. Das neue Spitalgesetz habe einerseits vor zwei Jahren die Regeln völlig verändert. Andererseits halte man momentan noch an Spitälern fest, wegen Gesetzen, die viel älter sind. Paradebeispiel ist der Laufentalvertrag von Anfang der 1990er Jahre, damals wurde dem Laufental zugesichert, dass es sein Spital behalten könne. «Das beisst sich jetzt mit der neuen Situation, in der die Spitäler verselbstständigt worden sind.» Der Kanton könne als Eigner keine Spitäler mehr mit dem Kantonshaushalt subventionieren, wie das früher der Fall war.

Blick in die Zukunft

Wenn Stefan Felder in die regionale Spitallandschaft der Zukunft schaut, sei für ihn klar, dass es in 20 Jahren bedeutend weniger Spitäler geben wird. «Im neuen Kanton Basel wird es etwa 12 Einrichtungen geben. Ein grosses Universitätsspital und kleinere, spezialisierte Einrichtungen, wie beispielsweise das Geriatriezentrum Felix Platter.» Heute gibt es in der Region 24 Spitäler. Und mit Blick aufs Bruderholzspital meint der Gesundheitsökonom, dass er eher nicht glaube, dass das Spital bestehen bleiben werde.