Verkehrssanierung Aarwangen 3,6 Kilometer umstrittener Asphalt

Die Befürworter der Verkehrssanierung wollen die Region Oberaargau besser an die Autobahn anbinden und Aarwangen von der Blechlawine befreien. Die Gegner sehen mit ihr ein Naherholungsgebiet gefährdet und einen finanziellen Hosenlupf für den Kanton Bern.

Bildlegende:Neu gebaut werden soll eine zweispurige Kantonsstrasse. Die neue Umfahrungsstrasse soll Aarwangen entlasten (rot). Gleichzeitig soll in Aarwangen die Kantonsstrasse saniert und der Langsamverkehr besser integriert werden (grün). be.ch

Das Wichtigste der Vorlage im Überblick:

  • Es geht um einen Projektierungskredit von 6,6 Millionen Franken.
  • Geplant werden soll eine Umfahrung des Dorfes Aarwangen.
  • Aarwangen hat seit Jahrzehnten ein Verkehrsproblem. Die Ortsdurchfahrt wird von Autos, Lastwagen, Velofahrern und Schülern benutzt.
  • An Werktagen werden 16'000 Fahrzeuge gemessen, 16 Prozent davon sind Lastwagen.
  • Die Umfahrungsstrasse besteht aus einer 470 Meter langen Brücke über die Aare, einem 500 Meter langen Tunnel durch ein Waldstück. Sie beansprucht Kulturland und verläuft durch Lebensräume von geschützten Pflanzen und Tieren.
  • Das Komitee «Nein zur Luxusstrasse im Oberaargau» bekämpft den Projektierungskredit. Für das Referendum kamen rund 11'200 Unterschriften zusammen.

Am 21. Mai befinden die Bernerinnen und Berner in einem ersten Schritt über den Projektierungskredit. Diesen hat das Kantonsparlament mit 111 zu 35 Stimmen deutlich gutgeheissen.

Die Kosten für den Bau der 3,6 Kilometer langen Umfahrung sind auf 136 Millionen Franken geschätzt. Gegen diese «Luxuslösung» wehrten sich Umweltverbände und Grüne mit einem Referendum. Sie fordern stattdessen eine Umgestaltung des bestehenden Strassenraums.

Zerreissprobe für die SP

An vorderster Front kämpft die bernische Verkehrsdirektorin Barbara Egger als SP-Mitglied für den Projektierungskredit. Ebenfalls dafür sprechen sich Langenthals Stadtpräsident Reto Müller und Grossrat Adrian Wüthrich aus. Die SP Oberaargau stimmte der Verkehrssanierung – wenn auch knapp – zu. Die SP Kanton Bern lehnte die Vorlage jedoch ab.

Gegner wehren sich für die Natur

Umstritten ist das Strassenprojekt nicht nur wegen der Kosten. Umweltschützer stören sich daran, dass die Umfahrung durch ein sogenanntes Smaragdgebiet führt. Diese Gebiete gründen auf einem internationalen Übereinkommen zur Erhaltung wildlebender Pflanzen und Tiere, das die Schweiz ratifiziert hat.

Das Smaragdgebiet Oberaargau besteht aus 19 Gemeinden in den Kantonen Bern, Luzern, Aargau und Solothurn. Eingriffe in dieses Gebiet gab es bereits einige: Zum Beispiel die Stadt Langenthal mit Industriegebiet, sowie die Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist.

Schulweg neben stark befahrener Hauptstrasse

Aus Sicht der Befürworter kann die Strasse durchaus umweltverträglich gebaut werden. Auch gehe es nicht an, die Menschen in Aarwangen weiterhin Lärm und Abgasen auszusetzen, die über die Grenzwerte hinausgingen. Besonders betroffen sind Schülerinnen und Schüler, deren Schulweg parallel zur stark befahrenen Hauptstrasse verläuft und wegen der beengten Platzverhältnisse im Dorf nicht verlegt werden kann.

Die Industrie in und um Langenthal, die stark auf den Export setzt, verspricht sich durch die neue Umfahrungsstrasse eine bessere Anbindung an die Autobahn. Und auch der öffentliche Verkehr soll von der Umfahrungsstrasse profitieren. So kann die Fahrplanstabilität der Bahnlinie der Aare Seeland mobil verbessert und die Sicherheit des «Bipperlisis» erhöht werden.

Die Variante «Null+»

Die Variante «Null+» wurde im Rahmen des Vorprojekts vertieft geprüft. Es handelt sich um eine Sanierung der heutigen Hauptstrasse durch das Dorf. Die Kosten von «Null+» wären deutlich tiefer, zudem käme es kaum zu Eingriffen in die Natur. Der Flaschenhals Aarwangen bleibt bestehen. Die Region würde nicht besser an die Autobahn angeschlossen.