Anker-Roman entdeckt Albert Ankers Sohn war ein eigensinniger Abenteurer

Maurice Anker reiste auf Handelsschiffen um die halbe Welt. Nun ist ein Roman erhältlich, den er 1930 geschrieben hat.

Das Gemälde «Maurice mit Huhn» - ein etwa 4-Jähriger mit einem Huhn auf den Armen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Maurice mit Huhn»: So malte Vater Albert Anker 1877 seinen dreijährigen Sohn. Archiv Stiftung Albert Anker-Haus

Happige Kindheit

Maurice hatte es nicht einfach: Als er in die Schule kam, schickten ihn die Eltern in ein Internat nach Oberburg. Das sind ab Ins (wo die Familie Anker wohnte) 44 Kilometer, die der etwa 12-Jährige allein zu Fuss zurücklegen musste. «Sein Vater malte ihm eine Wegkarte», erzählt Matthias Brefin. Er ist Ururenkel von Albert Anker und hat die Geschichte dessen Sohnes Maurice erforscht.

Foto der beiden Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Maurice mit seiner Mutter Anna Anker. Archiv Stiftung Albert Anker-Haus

Vaters Bilder «abgestaubt»

Maurice freundete sich mit Ziegelei-Inhaber Zbinden aus Erlach an, der ihm von abenteuerlichen Reisen durch Afrika erzählte. Die beiden gingen oft auf Beizentour, erzählt Matthias Brefin: «Wenn Maurice kein Geld mehr hatte, sagte Zbinden, ‹Bring mir einfach eine Zeichnung deines Vaters.›» So sei Zbinden zu einer umfangreichen Sammlung von Anker-Bildern gekommen.

Dann wollte Maurice selber die Welt entdecken. Die Eltern brachten ihn dazu, zuerst noch eine Lehre als Schiffszimmermann zu machen. Mit Erfolg:

Foto des Jungen im Anzug auf einem Kajak im See. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Maurice Anker in einem selbstgebauten Kajak. Archiv Stiftung Albert Anker-Haus

Begabter Lebenskünstler

Nach der Lehre heuerte Maurice Anker auf Handelsschiffen an und reiste um die halbe Welt. Einmal landete er als angeblicher Meuterer im Gefängnis. Doch Maurice freundete sich mit dem dortigen Gouverneur an und kam bald wieder frei. «Er muss sehr begabt gewesen sein», sagt Anker-Nachkomme Matthias Brefin, «sowohl technisch als auch sprachlich».

Gegen Ende seines Lebens (er starb 1931) schrieb Maurice Anker einen Abenteuerroman. Jahrzehnte später fand Matthias Brefin das Manuskript – 120 Seiten – bei einer Tochter von Maurice Anker in Amerika.

Eine Seite des Manuskripts Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Manuskript des Romans «On a Volcano» von Maurice Anker lag in einem vergilbten Couvert in einer Schublade. Archiv Stiftung Albert Anker-Haus

Handy-Erfinder

Erstaunliches ist im Abenteuerroman von Maurice Anker zu lesen: «Er ahnte technische Entwicklungen voraus», sagt Matthias Brefin. So findet der Protagonist in Grönland eine Art drahtloses Telefon und nennt es ‹Handy›. «Das gab es aber damals noch gar nicht.» Ebenso beschreibt Maurice Anker ein Gerät für Flugzeuge, das dem heutigen Radar entspricht.

Matthias Brefin Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Matthias Brefin – hier vor dem Alber Anker-Haus in Ins – hat die Geschichte von Maurice Anker recherchiert. Elisa Häni/SRF

Die Vernissage von Maurice Ankers Roman «Auf dem Vulkan» (übersetzt von Matthias Brefin) ist am 10. Mai 2017 im Albert Anker-Haus in Ins.

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