Sonntagsgast Claude Longchamp «Als Kind wurde ich in der Deutschschweiz ausgelacht»

Der Politologe erzählt: Wie er Unfälle überlebte, den Umzug aus der Romandie verkraftete und was ihm Leute auf der Strasse sagen.

Claude Longchamp trat über 30 Jahre am Schweizer Fernsehen auf, analysierte Volksabstimmungen. Nun hat er damit aufgehört, er geht auf Weltreise. Als Sonntagsgast im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» erzählt er von sich.

Claude Longchamp über seine Kindheit:

«Ich bin in Freiburg geboren – wenn ich schlechter Laune bin, sage ich, ‹ich bin in Freiburg auf die Welt gekommen›. Das war in den 50er-Jahren eine sehr konservative, katholische Stadt. Einzelne Individualisten wie Jean Tinguely oder Joe Siffert zeigten mir, dass es jenseits des kleinen, engen, durchaus auch sympathischen Freiburg noch andere Welten gibt.

Dann zügelten wir in den Aargau. Dort haben mich die Kinder als stinkenden Franzosen beschimpft.»

... darüber, wie ihn die Politik packte:

«Als ich Anfang 20 war, verlor ich bei den meisten Abstimmungen. Das nervte mich. Doch dann beschäftigte ich mich beruflich mit der Demokratie, begann mit Wahl- und Abstimmungsanalysen. Unterdessen finde ich die direkte Demokratie die beste Institution, die wir in der Schweiz haben.»

... was ihm Leute auf der Strasse sagen:

«Wenn ich keine Fliege trage, werde ich oft nicht erkannt. Wenn ich sie hingegen trage, fast immer. Einmal nahm mich eine ältere Frau beiseite und flüsterte, ‹Geben Sie doch dem Johann Schneider-Ammann einen Rhetorikkurs.›»

... über seine bevorstehende Reise:

«Ich will mit wenig Gepäck reisen. Das ist für mich als Büchernarr schwierig, aber ich werde mich wohl an den E-Reader gewöhnen.

Ich reise zuerst allein, dann mit meiner Partnerin. Eine Station ist die Antarktis. Der einzige Ort auf der Welt, wo es keinen Staat gibt. Auch keine Wahlen und Abstimmungen.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)