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Bern Freiburg Wallis Berner Jungbär «4» ist tot

Das Drama im Berner Tierpark Dählhölzli geht weiter: Nun ist auch das zweite Bärenjunge tot. Wie bei seinem Geschwisterchen war der Vater auch mit ihm zu grob. Um sein Leiden zu beenden, wurde es eingeschläfert.

Kleiner Bär und grosser Bär.
Legende: Das Dählhölzli verliert seinen letzten Jungbären. Keystone/Tierpark Dählhölzli

Der zweite Jungbär im Berner Tierpark Dählhölzli ist tot. Ein Tierarzt hat das Jungtier am Montag eingeschläfert, um es vor weiterem Stress und Leiden zu bewahren. Bärenvater «Misha» ging mit dem Kleinen rabiat um und Bärenmutter «Masha» vernachlässigte ihre Mutterrolle.

Legende: Video Tierparkleitung zum Tod des Jungtiers abspielen. Laufzeit 01:06 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.04.2014.

Zwölf Wochen lebte die Bärenfamilie mit ihrem Nachwuchs im Berner Tierpark Dählhölzli zusammen in der Bärenanlage. Obschon Bärenmännchen ihrem Nachwuchs gefährlich werden können, entschied sich die Tierparkleitung, die Bärenfamilie nicht zu trennen.

Die beiden von Hand aufgezogenen Elterntiere hätten eine Trennung nicht verkraftet, begründete die Tierparkleitung den Entscheid. Das Wohl der erwachsenen Bären stehe an erster Stelle, bekräftigte der Tierpark in seiner Mitteilung.

Der Tierpark wollte den beiden handaufgezogenen Bären «Misha» und «Masha» die Möglichkeit geben, richtiges Bärenverhalten zu erlernen. Dazu gehört nach Ansicht der Tierpark-Leitung auch das Austragen und Aufziehen von Jungen. «Der Verlust von Jungtieren ist nach biologischen Grundsätzen, wie auch nach Tierschutzkriterien, weniger gravierend als ein dauerhaft verhaltensauffälliger, erwachsener Bär», betont die Tierparkleitung.

Stark aufeinander fixiert

Bei Mutter «Masha» hätten sich gewisse Mutterinstinkte eingestellt, sagte der stellvertretende Tierparkdirektor Jürg Hadorn. Doch das Weibchen sei stark auf Bärenmännchen «Misha» fixiert. Und dieser Instinkt habe zunehmend den Mutterinstinkt überlagert.

Um Aufmerksamkeit zu erregen habe «Misha» ein Jungtier aus dem Stall geholt und im Spiel rabiat traktiert. Wenn er sich die Aufmerksamkeit der Bärendame gesichert hatte, habe er meist von seinem Spiel abgelassen, wie Hadorn erzählte.

Am 2. April kam das erste Jungtier beim rabiaten Spiel ums Leben. Der Tierpark liess die Bärenfamilie weiterhin zusammen. «Die Bären entscheiden, wie es weitergeht», sagten damals Tierparkvertreter.

Ablenkungsversuche und das zeitweise Wegsperren der Elterntiere brachten nur kurze Entspannungsphasen. Die versuchsweise Trennung der Elterntiere habe diese stark gestresst, so Hadorn.

Überforderte Bäreneltern

Die Tierparkleitung habe selbstverständlich alle möglichen Szenarien diskutiert, sagte der stellvertretende Tierparkdirektor weiter. Der Entscheid, den zweiten Jungbären einzuschläfern, sei dann aber am Montagmorgen situativ gefallen, nachdem «Misha» den Kleinen wieder aus dem Stall geholt habe.

Weshalb «Misha» und «Masha» mit ihrer Elternrolle überfordert waren, ist unklar. Ganz unabhängig davon, habe auch der Tod des zweiten Jungtieres die Mitarbeitenden des Tierparks mitgenommen und betroffen gemacht, heisst es in der Mitteilung des Tierparks weiter.

Kein Nachwuchs mehr

Bärennachwuchs von «Misha» und «Masha» wird es keinen mehr geben. Das Männchen wird in den nächsten Wochen sterilisiert, wie schon seit dem Tod des ersten Jungbären bekannt ist.

«Misha» und «Masha» kamen 2009 nach Bern – als Geschenk der damaligen russischen Präsidentengattin Swetlana Medwedewa. Der Berner Tierpark baute für die beiden nicht miteinander verwandten, von Hand aufgezogenen Bärenwaisen extra ein neues Gehege, den im März 2012 eingeweihten «BärenWald».

In der Stadt Bern gibt es noch eine zweite Anlage für das Wappentier: den Bärenpark. Dort leben die Bären «Finn», «Björk» und ihre Tochter «Ursina». Auch Bärenvater «Finn» ist sterilisiert.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Mordasini, 3014 Bern
    Was in Bern mit den zwei toten Bärenkindern geschehen ist, kann ich weder verstehen noch nachvollziehen, macht mich traurig und wütend. Das hat mit „ist halt Natur/Wildnis“ nicht mehr viel gemeinsam. Musste es tatsächlich so weit kommen? Wäre mit einer etwas besseren Vorausplanung die beiden Bärenbabys oder zumindest Nr. 4 noch am Leben? Es hätte unter diesen Umständen gar nie zur Schwangerschaft und Geburt kommen dürfen. Ich hoffe, dass die Tierparkleitung aus dem Debakel lernen wird!
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  • Kommentar von P. Wittwer, Thun
    Wenn die Dählhölzli-Verantwortlichen die Bärenfamilie behalten wollen, so hätten Sie spätestens beim Angriff des Vaters auf Kinder-Bär 3, ihn trennen müssen. Dann muss er sofort kastriert und solange von der Familie getrennt bleiben, bis er keinen Nachwuchs mehr zeugen kann. Nur so kann die Bärenfamilie in Ruhe weiterleben. Diesen natürlichen Trieb haben beide Bäreneltern nicht verkraftet, deshalb mussten die Kinder sterben.
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  • Kommentar von Anna Meier, Bern
    Und zum Glück sind Bären das Symbol von Bern! Erst recht sollte man sie beschützen und nicht töten! Zuerst unschuldige Giraffe.....dann Löwen....dann ein kleiner Hund töten nur weil er von der Türkei mitgenommen wurde um ihn ein besseres Leben zu ermöglichen...jetzt die kleinen Bären!! Wo ist da der Tierschutz?! Wo führt das noch hin?! Die Menschen sollen doch gleich alle Tiere dieser Welt töten, so bleiben sie alleine unter Egos, und wen bringen sie dann um?!
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