Bernischer Gesundheitsdirektor Perrenoud sauer über Krankenkassen

Im Kanton Bern steigen die Krankenkassenprämien für Erwachsene 2014 um durchschnittlich 1,9 Prozent. Das liegt leicht unter dem schweizerischen Mittel. Der bernische Regierungsrat Philippe Perrenoud ist trotzdem unzufrieden.

Philippe Perrenoud Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud rechnet und kommt auf ein anderes Resultat. Keystone

«Die Krankenversicherer verlangen von den Bernerinnen und Bernern - wie bereits in den letzten Jahren - deutlich zu hohe Prämien», sagt Philippe Perrenoud im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» vom Donnerstagabend. Das «übermässige Prämienwachstum» lasse sich durch nichts rechtfertigen.

Der Kanton Bern weist unter anderem darauf hin, dass die Grundversicherer mit der Revision der Spitalfinanzierung um jährlich 200 Millionen Franken entlastet wurden. Diese Entlastung hätten die Kassen bestenfalls zu einem geringen Teil an die Versicherten weitergegeben. «Diese Kostenverschiebung müssten die Bernerinnen und Berner merken», so Perrenoud.

Weiter enthielten die Prämien 2014 noch Anteile, die ursprünglich für die Aufstockung der kantonalen Reserven gebraucht worden seien. «Für die Erhebung dieser Prämienanteile gibt es keinen Grund mehr.»

Zu tiefe Nettoleistungsquote

Dass die Prämien im Kanton Bern zu hoch seien, lasse sich auch mit der Nettoleistungsquote belegen. Diese gibt an, welcher Anteil der Prämieneinnahmen in die Finanzierung von direkten Leistungen für die Versicherten geht.

Der Wert muss unter 100 Prozent liegen, damit die Kassen ihre Verwaltungskosten decken, Rückstellungen bilden und Reserven äufnen können. Ziehe man in Betracht, dass die Kassen schon genügend Reserven hätten, müsste die Nettoleistungsquote deutlich über 94 Prozent zu liegen kommen, schreibt die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion.

Im Kanton Bern betrage sie aber dieses Jahr 93,7 Prozent und 2014 sogar nur 92 Prozent.

Der Bund brauche eine Rechtsgrundlage, um gegen zu hohe Prämien vorzugehen, findet die bernische Gesundheitsdirektion. Die eidgenössischen Räte seien deshalb aufgerufen, das neue Aufsichtsgesetz rasch zu beschliessen und nicht weiter auf die lange Bank zu schieben.