«Café Regenbogen» - das Symbol für eine gelungene Integration

Jeden Dienstag treffen sich im Café in Riggisberg Asylsuchende mit der Bevölkerung. Um sich kennenzulernen und Ängste und Vorurteile abzubauen. Das Modell Riggisberg macht Schule.

Camus sitzt in einer Ecke und lernt mit Barbara Baumgartner Deutsch. «Ich versuche, in jeder freien Minute zu lesen oder Sprachen zu lernen», sagt er. Camus ist 39 Jahre alt, politischer Flüchtling aus Kamerun, wie er sagt, und wartet seit rund einem Jahr auf seinen Asylentscheid.

Das Konzentrieren ist nicht leicht: Es ist laut im «Café Regenbogen» im Kirchgemeindesaal in Riggisberg. Ein paar afrikanische Flüchtlinge spielen Karten, ein Ukrainer filmt sie dabei, andere sprechen miteinander, das alles bei Kaffee und Kuchen.

«  Sie haben mir wieder Kraft gegeben »

Barbara Baumgartner
Freiwillige

Das Café, initiiert von Dorfpfarrer Daniel Winkler, war von Anfang an gut besucht. «Es ist eine sehr sinnstiftende Aufgabe, das spürt man», sagt Winkler als Erklärung, weshalb sich in Riggisberg mehr als 40 Freiwillige für die Flüchtlinge einsetzen.

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Viktoria wie Riggisberg

«Riggisberg hat durchaus Modellcharakter», sagt Barbara Zahrli, Leiterin Bildung bei der Flüchtlingshilfe. Das Freiwilligen-Konzept soll deshalb auch bei der neuen Asylunterkunft Viktoria, im alten Feuerwehrlokal der Stadt Bern, angewendet werden. Auch das Staatssekretariat für Migration hat Interesse bekundet.

«Das ist erstaunlich, ich war gesundheitlich angeschlagen, aber die Flüchtlinge haben mir wieder Kraft gegeben», ergänzt Barbara Baumgartner. Sie gibt Flüchtlingen auch privat Deutschunterricht und hat neulich auch eine Praktikumsstelle vermittelt.

«Man muss sich abgrenzen können»

Zu Beginn war die Welle der Solidarität fast zu gross. Die Betreiberin des Asylzentrums, die Heilsarmee, hat deshalb die Flüchtlingshilfe gebeten, die Freiwilligenarbeit zu koordinieren und gewisse Leitplanken zu setzen.

«Es bringt nichts, wenn jeden Tag 30 Leute einfach ins Zentrum laufen und mit den Kindern spielen wollen», sagt Barbara Zahrli, Leiterin Ausbildung bei der Flüchtlingshilfe.

Und: Bei allem guten Willen sei auch eine gewisse Distanz notwendig. «Man muss sich in diesem Bereich abgrenzen können, deshalb haben wir auch einen Kurs für den Umgang mit traumatisierten Menschen angeboten».