Das Buch zum «Tschäppät-Jahrhundert» in Bern

Vier ehemalige Berner Journalisten haben die Geschichte der Tschäppäts aufgearbeitet und nun als Buch herausgegeben. Entstanden ist das Bild einer Familie, die die Politik in der Bundesstadt massgeblich mitgeprägt hat.

Betty Tschäppät, die Grossmutter von Alexander Tschäppät, pflegte zu sagen: «In Bern bringt es ein Tschäppät nie zu etwas.» Die Geschichte hat gezeigt: Sie hat sich geirrt. Sowohl ihr Sohn Reynold als auch ihr Enkel Alexander wurden Jahre später zum Stadtpräsidenten gewählt.

Und beide haben das Stadtbild massgeblich mitgestaltet. Reynold Tschäppät legte zum Beispiel den Grundstein für die Weiterentwicklung der Stadt im Westen. In die Amtszeit seines Sohnes Alexander fiel der Bau des Zentrums Paul Klee, des neuen Fussballstadions sowie die Entstehung der Wankdorfcity.

Das Buch zeigt aber auch das Verhältnis von Vater und Sohn Tschäppät auf, beleuchtet deren Karrieren aus der Sicht von Weggefährtinnen und -gefährten und befasst sich auch mit anderen Familien, die – mit Unterbrüchen – immer wieder auf dem politischen Parkett auftauchen.

«  Für Reynold und Alexander war die Politik ein Karrierevehikel. »

Philipp Schori
Mitautor des Buches

Der Journalist Philipp Schori hat die Geschichte der Tschäppäts aufgearbeitet. Er sei eigentlich erstaunt gewesen, dass es noch kein Buch über sie gebe. Gerade Reynold und Alexander seien farbige Figuren, die auch mal in ein Fettnäpfchen getreten sind . «Das macht es spannend.»

Es gebe auch Unterschiede zwischen den beiden jüngeren Tschäppäts und dem Grossvater, sagt Philipp Schori weiter. «Für Reynold und Alexander war die Politik ein Karrierevehikel.» Für Grossvater Henri dagegen, war die Politik ein Stolperstein: Wegen seiner Teilnahme am Generalstreik von 1918 wurde er entlassen.

«  Alexander Tschäppät ist ein ausgezeichneter Kommunikator. »

Jürg Müller
Mitautor des Buches

Der frühere «Bund»-Journalist Jürg Müller hat Weggefährten der Tschäppäts befragt. «Alle haben mir gesagt, Alexander Tschäppät sei ein ausgezeichneter Kommunikator.» Und dank dieser Fähigkeit habe er sehr viel erreicht für die Stadt Bern. «Interessant war zudem die Aussage, dass Alexander Tschäppät auch sehr viel Tiefgang hat», sagt Jürg Müller weiter. Insofern hebe sich das Bild ab vom Clichée des Lebemanns, der bei jeder «Hundsverlochete» dabei sei.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03 / 17:30 Uhr)