«Das Kalte Herz»: 85 Jahre nach Drehbeginn heisst es «Film ab»

Die Schatzsuche hat sich gelohnt: Der Berner Filmer Raff Fluri hat den bekannten Schweizer Regisseur Franz Schnyder als Schauspieler wiederentdeckt. Er hat einen Stummfilm aus den 1930er-Jahren aufgespürt, aufwändig restauriert und neu vertont. Jetzt kommt das Werk in die Kinos.

Eine unbeschriftete Videokassette steht am Anfang dieser Geschichte: Der Berner Filmemacher Raff Fluri ist 2009 auf sie gestossen, als er eine Ausstellung über Leben und Werk des Schweizer Regisseurs Franz Schnyder organisieren sollte. Über jenen Regisseur also, der mit Filmen wie «Uli der Knecht», «Käserei in der Vehfreude» oder «Gilberte de Courgenay» bekannt wurde.

«  Ich dachte zuerst, das seien irgendwelche Testaufnahmen. »

Raff Fluri
Filmer

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Bildlegende: Karl Ulrich Schnabel, Franz Schnyder und Herta Kröhling (von links) bei den Dreharbeiten zu «Das Kalte Herz» 1932. zvg/schnabelmusicfoundation.com

Die Videokassette befand sich im Nachlass von Franz Schnyder und enthielt Teile des Stummfilms «Das Kalte Herz» von Karl Ulrich Schnabel, in dem Schnyder als Schauspieler sehen war. «Ich dachte zuerst, das seien irgendwelche Testaufnahmen», sagt Raff Fluri im Gespräch. Doch er war auf eine kleine Sensation gestossen: Es sollte sich zeigen, dass dies die einzige Filmrolle von Franz Schnyder war. Eine Rolle zudem, von der kaum jemand etwas wusste.

Das Filmmaterial auf der Videokassette liess Raff Fluri nicht mehr los. Er begann zu recherchieren und stiess 2012 auf das Originalmaterial. Die Filmrollen waren im Besitz der Tochter von Karl Ulrich Schnabel. Sie stellte dem Filmemacher aus Burgdorf das Material zur Verfügung. Das Rätsel war gelöst: «Das Kalte Herz» wurde von 1931 bis 1933 in Berlin gedreht. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verliess Karl Ulrich Schnabel Deutschland und das Filmmaterial geriet in Vergessenheit. Diese Schatzsuche habe ihn sehr begeistert, erzählt Raff Fluri.

«  Es ist schwierig, jüngere Leute für einen Stummfilm zu begeistern. »

Raff Fluri
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Nun begann die eigentliche Arbeit: Raff Fluri rekonstruierte die Geschichte und digitalisierte den Film. Weil das Originalmaterial zum Teil in einem sehr schlechten Zustand war, musste Bild für Bild behandelt werden. Dazu brauchte es neue Zwischentitel und eine neue Musikspur zum Stummfilm.

Ein anderer Franz Schnyder

Raff Fluri hat bei dieser Arbeit ein ganz neues Bild des bekannten Schweizer Regisseurs erhalten. Franz Schnyder sei ja den meisten nur als mürrischer und alter Mann in Erinnerung, sagt Raff Fluri. «Ich habe ihn während meiner Arbeit als euphorischen und lustigen Mann kennengelernt.»

Nun kommt der fertige und neu vertonte Stummfilm in die Kinos. Raff Fluri ist sich bewusst, dass es wohl kein Blockbuster geben wird. Es sei halt schwierig, jüngere Leute für einen Stummfilm zu begeistern. Kommt hinzu, dass der Name Franz Schnyder nur der älteren Generation noch geläufig sei. Aber wer den Film sehe, werde begeistert sein, ist der Filmer überzeugt.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis; 17:30 Uhr)