Oskar Freysingers Abgang Das stille Ende eines lauten Politikers

Der Walliser SVP-Staatsrat verabschiedet sich von der Politbühne. Ohne ein Wort des Abschieds.

20 Jahre lang sprach er in jedes Mikrofon. Oskar Freysinger liess keine Gelegenheit aus, um zu provozieren: Zuerst als Gründer der Walliser SVP, dann als Nationalrat und in den vergangenen vier Jahren als Walliser Bildungs- und Polizeidirektor.

Nachdem er im März nicht wiedergewählt worden war, gab er keine Interviews mehr. Bis zuletzt. Am Freitag räumte der Staatsrat sein Büro in Sitten, ohne noch einmal öffentlich auf seine Politkarriere zurückzublicken.

Eine Einschätzung von Wallis-Korrespondentin Priska Dellberg


Provokation
war schon immer ein Antrieb von Oskar Freysinger. Dieses Stilmittel zieht sich durch seine ganze politische Karriere. Nun provoziert er wieder: Indem er auch an seinem letzten Arbeitstag nichts sagt. Seine abtretenden Regierungskollegen zogen in den letzten Tagen Bilanz. Der wortgewaltige SVP-Politiker zieht es vor, zu schweigen.


Seinen letzten öffentlichen Auftritt
hatte Freysinger an der Seite eines Unternehmers, der gegen den Staat protestierte. Der Mann hatte aus Frust über die Kantonsbehörden das Nummernschild VS1 ersteigert. Der SVP-Staatsrat half ihm dabei, das Autokennzeichnen medienwirksam an einem Mahnmal anzubringen. Freysingers Gegner finden sein Schweigen mutlos. Das mag sein. Andererseits sind die neuen, leisen Töne auch verständlich: Der Politiker ist tief gefallen, dass muss er erst einmal verarbeiten.


Oskar Freysinger liebt den theatralischen Auftritt. Besonders gerne unterhielt er seine Gesprächspartner mit Ausflügen in die griechische Mythologie. Ohne zu merken, dass seine eigene Geschichte zur griechischen Tragödie wird. Und er der Held ist, der am Ende zusammenbricht.


«Mich gibt es nicht mehr»
, schrieb der SVP-Politiker in den letzten Tagen an Journalisten, die noch einmal mit ihm auf seine Karriere zurückblicken wollten. Ein dramatischer Schlusssatz. Nun ist der letzte Vorhang gefallen. Im Wallis sind viele froh darüber. Fehlen wird der Provokateur auf der Politbühne aber trotzdem. Weil er Politik in seinen besten Momenten zu Unterhaltung gemacht hat. Und damit auch Menschen abholte, welche sich vorher überhaupt nicht für Politik interessiert haben.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)