Der Wolf reisst im Wallis mehr als in Graubünden

Nur gerade vier bis sechs Wölfe leben im Wallis – doch die Zahl der gerissenen Schafe und Ziegen ist so hoch, wie nirgends sonst in der Schweiz. Das zeigt: Das Wolfsproblem in der Schweiz ist vor allem ein Walliser Problem.

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Wolfsbilanz der Bergkantone

7:02 min, aus Schweiz aktuell vom 10.12.2015

158 Schafe und Ziegen haben die Wölfe alleine in diesem Jahr im Kanton Wallis gerissen. Entsprechend schlecht sind die Walliser Schafzüchter auf den Wolf zu sprechen. Sie fordern mehr Abschüsse oder am besten gleich die Ausrottung des Raubtiers.

«Jeder Wolf im Wallis ist einer zu viel», betont der Schafzüchter Heini Ruff aus Törbel im Oberwallis. Er hat dieses Jahr 9 tote Tiere zu beklagen – die Schafsrisse gehen ihm auch Wochen später noch sehr nahe.

Wallis steht statistisch alleine da

Das Wolfsproblem in der Schweiz ist vor allem ein Walliser Problem, kritisieren Tierschützer. So hat der Bergkanton Graubünden – mit ähnlich vielen Schafen, wie im Wallis - 2015 nur gerade 19 Risse zu beklagen. Also weniger als achtmal so viele. Und das, obwohl im Graubünden viel mehr Wölfe leben, als im Wallis.

Weniger Wölfe reissen im Wallis mehr Schafe als im Graubünden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weniger Wölfe reissen im Wallis mehr Schafe als im Graubünden. Keystone

«Die Bündner haben auf die Einwanderung des Wolfes sehr schnell reagiert und setzen seit Jahren stark auf den Herdenschutz. Die Walliser hingegen setzen auf den Abschuss des Wolfes und vernachlässigen den Schutz. Die vielen toten Schafe sind jetzt die Konsequenz», sagt David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz.

Dem widersprechen die Walliser Schafzüchter. Wo es möglich sei, werde die Herde geschützt, erklärt Daniel Steiner, Präsident der Schwarznasenschafzüchter Oberwallis. Doch oft bringe das nichts, im Gegenteil. Die Herde von Heini Ruff sei diesen Sommer von einem Hirten bewacht worden, trotzdem habe sich der Wolf neun Tiere geholt.

Auch eine Frage der Haltung

Fakt ist, dass in den zwei Kantonen unterschiedliche Strukturen herrschen. Die Bündner setzten vermehrt auf Grossalpen mit mehreren Schafherden. Diese lassen sich einfacher und wirtschaftlicher bewachen. Die Walliser hingegen bewirtschaften viele kleine Privatalpen.

«Diese können wir nicht alle vom Wolf schützen», erklärt Moritz Schwery, Leiter Herdenschutz im Oberwallis. «Das wäre ein zu grosser Aufwand. Zudem befürchten viele Züchter die Übertragung von Krankheiten bei den Tieren, wenn wir mehrere Herden zusammenlegen», ergänzt er.

Heini Ruff und seine Walliser Kollegen fühlen sich vom Tierschutz und den Behörden falsch verstanden. Schliesslich würden sie sich nur um das Wohl ihrer Schafe kümmern und eine Walliser Tradition aufrechterhalten. Schafzucht und Wolfsschutz würden eben nicht zusammenpassen, meinen sie.

Schweiz Aktuell, 19.00 Uhr