Kampf gegen Vorurteile Die Freimaurer gewähren Einblick in ihr Heiligtum

In der Ausstellung «Top Secret – die Freimaurer» im Bernischen Historischen Museum kann sich der Besucher ein Bild der 300-jährigen Bruderschaft machen.

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Freimaurer in Bern

0:55 min, vom 14.6.2017

Freimaurer sind berühmte Persönlichkeiten, die obskure Zeremonien abhalten und nach der Weltherrschaft streben: Zehn solche Vorurteile nimmt die Ausstellung «Top Secret – die Freimaurer» zum roten Faden eines Rundgangs durch die Geschichte der Freimaurer.

Das Kernstück ist der Tempel der Berner Loge zur Hoffnung, der eins zu eins ins Historische Museum gezügelt wurde. «Das ist der Raum, in dem wir unsere rituellen Arbeiten durchführen», erklärt Andreas Herbst, Meister vom Stuhl – oder Vorsitzender – der Berner Loge. Dies sei zum Beispiel die Aufnahme eines Kandidaten oder eine Beförderung. «Auch Feste werden hier gefeiert.»

«  Wir haben keine PR-Abteilung »

Andreas Herbst
Chairman der Berner Loge zur Hoffnung

Grundsätzlich könne jeder freie Mann mit gutem Ruf Freimaurer werden, erklärt Andreas Herbst weiter. Offiziell sind Frauen in den Logen nach wie vor nicht zugelassen. Dennoch gibt es heute in der Schweiz etwa 20 Frauenlogen. Vor der Aufnahme gäbe es viele Gespräche, ob ein Kandidat geeignet ist. «Die Aufnahmezeit dauert etwa ein Jahr.»

Geschlossene Gesellschaft

Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit und insbesondere dem Grundsatz verpflichtet, Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach aussen zu tragen. Nur so könne sich der freie Gedanke entfalten, sagt Andreas Herbst weiter. «Abgeschlossenheit ist die Voraussetzung für Innerlichkeit.»

Tue Gutes und sprich darüber: Dieser Grundsatz gilt für die Freimaurer nur zur Hälfte. Das Reden darüber überlassen sie lieber den Rotariern oder dem Lions-Club. «Dies sind Spin-Offs der Freimaurer», sagt Andreas Herbst. «Deshalb brauchen wir keine PR-Abteilung.»

300 Jahre moderne Freimaurerei

Die Freimaurerei versteht sich als ethischer Bund freier Menschen. Freimaurer sind überzeugt, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten und zu Selbsterkenntnis führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Die Freimaurer organisieren sich in sogenannten Logen, wobei die erste 1717 in London gegründet wurde. Der schottische Theologe James Anderson schrieb 1723 die erste freimaurerische Verfassung. Seit 1730 gibt es die heute noch gültigen drei Grade Lehrling, Geselle und Meister.