Die Region Gstaad würgt an zu vielen unrentablen Bergbahnen

Die Analyse des Zustandes der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) ist ernüchternd: Das Unternehmen hat 5 Jahre nach der letzten Sanierung hohe Schulden, zu wenig Liquidität, zu wenig Ertrag und viel Bedarf nach hohen Investitionen. Um über die Runden zu kommen, braucht‘s dringend einen neuen Anlauf.

Eine Sesselbahn in der verschneiten Landschaft von Gstaad. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bergbahnen von Gstaad fahren einer unsicheren Zukunft entgegen. zvg

Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) kommen auf keinen grünen Zweig. Fünf Jahre nachdem die Gemeinden des Saanenlandes, der Tourismus, die Banken und die Bahngesellschaft ein Zukunftspaket von rund 170 Millionen geschnürt hatten, ist klar: Es funktioniert nicht

Zwar wurden Millionen in die Schnee-Kanonen und Bahnen investiert. Aber nun braucht es einen neuen Anlauf. Das zeigte ein erster Informationsabend am Montag im voll besetzten Saal des Grossen Landhauses in Saanen.

Die Bahngesellschaft ist in Nöten. Sie hat grosse Mühe mit der Liquidität, weil sie mit den zu vielen recht alten Bahnen und Lifte zu wenig verdient. Aber der Versuch, einzelne Anlagen zu schliessen, scheiterte am Widerstand aus der Bevölkerung.

Das Bahn-Angebot passt nicht zur Nobelmarke Gstaad

 Zudem hat Bahngesellschaft hohe Schulden – und sollte noch dieses Jahr viel Geld in die dringende Erneuerung der Bahnen stecken können. Dazu machen die Berghäuser der BDG AG pro Jahr etwa eine halbe Million Franken Defizit. Das alles kann die BDG AG alleine nicht stemmen.

Dabei hat die touristische Weltmarke Gstaad einen Ruf zu verteidigen. Hier müssen die Bahnen besser sein als sonst in irgendeinem Wintersportort. So der schonungslose Befund einer Analyse vom Expertenbüro Trimea AG.

Eigentlich könnte die Destination Gstaad das praktisch gleiche Angebot mit einem Drittel weniger Bahnen liefern – wenn sie zeitgemäss und leistungsfähig genug wären.

Die Gemeinde Saanen will nun die Flucht nach vorne wagen

Die gut betuchte Gemeinde Saanen, die in den letzten Jahrzehnten als Hauptaktionär Abermillionen in die Bergbahn-Infrastruktur gesteckt hat, redet nun Klartext. Es brauche die Bereitschaft der Bevölkerung und der Gemeinden, auf Bahnen zu verzichten, Berge touristisch neu zu positionieren und der BDG so eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage zu geben.

«Das Grundproblem ist längstens klar. Nur wollte man es nicht wahrhaben.» Das sagt Aldo Kropf, Gemeindepräsident von Saanen und Chef des neuen Steuerungsausschusses für die Zukunft der BDG im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Er rechnet damit, dass die Gemeinden und der Tourismus nochmals mit Geld nachhelfen müssen. Bis in rund anderthalb Jahren sollten die Lösungen auf dem Tisch liegen.