Wahlbetrug im Wallis Eduard Brogli : «Ich würde wieder gleich handeln»

Der Stadtschreiber der Gemeinde Brig-Glis wusste bereits nach dem ersten Wahlgang der Gross- und Staatsratswahlen, dass es zu Unregelmässigkeiten gekommen war. Dennoch hat Eduard Brogli weder den Präsidenten noch die Staatsanwaltschaft informiert. Jetzt nimmt er Stellung.

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Bildlegende: Der Briger Stadtschreiber Eduard Brogli ist überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Silvia Graber/SRF

SRF Regionaljournal: Warum haben Sie weder den Stadtpräsidenten noch die Staatsanwaltschaft informiert?

Eduard Brogli: Ich habe selber eine Verantwortung und nehme die auch wahr. Der Stadtpräsident war in den Ferien und ich musste beurteilen, ob das, was vorlag, reicht für eine Strafanzeige. Das war eine reine strafrechtliche Beurteilung. Und aufgrund dieser Unregelmässigkeiten ging ich davon aus, dass es nicht reicht für eine Strafanzeige. Im zweiten Wahlgang hingegen haben wir als erste Gemeinde gehandelt.

Hand aufs Herz: Ist es im Nachhinein nicht ein Fehler, dass sie nicht sofort reagiert haben?

Ich würde wieder genau gleich handeln.

Warum?

Weil es einen gewissen Ermessensspielraum braucht. Die Welt ist nicht schwarz-weiss, auch nicht die juristische oder strafrechtliche. Ich hätte es nicht verantworten können, aufgrund ungenügender Verdachtsmomente eine Strafanzeige einzureichen und die Konsequenzen zu tragen. Es hätte geheissen, «wegen so etwas machst du eine Strafanzeige?».

Das Gespräch führte Silvia Graber.