Wasserwerke Zermatt Ehemaliger Chef wegen Millionenbetrugs vor Gericht

Der frühere Kaderangestellte soll die Gemeinde Zermatt um rund 3,6 Millionen Franken betrogen haben. Die Zeugen zeichneten vor Gericht das Bild eines Mannes, der sich fast alles erlauben konnte.

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Wegen Millionenbetrug vor Gericht

3:50 min, aus Schweiz aktuell vom 2.5.2017

Frühere Mitarbeiter und der ehemalige Zermatter Gemeindepräsident haben am Dienstag bei Prozessauftakt in Visp den Hauptangeklagten als Mann beschrieben, der «Carte Blanche» hatte. Im Nachhinein frage er sich auch, wie der Angeklagte so lange unentdeckt bleiben konnte, sagte der frühere Gemeindepräsident Christoph Bürgin vor dem Oberwalliser Kreisgericht. Er habe darauf immer noch keine Antwort.

Ein allmächtiger Chef?

Die ehemaligen Mitarbeiter beschrieben den früheren Leiter der Zermatter Wasserwerke als allmächtigen Vorgesetzten. Das habe ihm Übernamen wie «Poseidon» und «Bruce Allmächtig» eingebracht. Der Gemeindepräsident schilderte den Hauptangeklagten als vertrauenswürdigen Schaffer, den er von Kindesbeinen auf gekannt und nur selten hinterfragt hatte.

Der Angeklagte selbst trat sehr selbstbewusst auf. Er ist teilweise geständig, bereut seine Taten aber nicht. Vor dem Kreisgericht sagte er aus, er habe «Tag und Nacht gearbeitet» für die Gemeinde Zermatt. Ausserdem widersprach er der Darstellung der Staatsanwaltschaft, die ihn in der Anklageschrift für seinen luxuriösen Lebenswandel getadelt hatte. Der ehemalige Kadermitarbeiter sprach von Campingferien und erzählte, er fahre einen alten Mercedes.

Fall seit sieben Jahren bekannt

Der Fall war 2011 aufgeflogen, als der neue Gemeindeschreiber auf Ungereimtheiten aufmerksam wurde. Der Hauptangeklagte soll die Einwohnergemeinde Zermatt zwischen 1999 und 2011 um über 3,6 Millionen Franken betrogen haben.

Der ehemalige Kaderangestellte soll mit der Hilfe von Handwerkern falsche Rechnungen ausgestellt haben. Er konnte in seiner Funktion Rechnungen bis zu einer Höhe von 25‘000 Franken selbst visieren.

Zudem soll er sich Spesen seiner Mitarbeiter ausbezahlt haben lassen, ohne dass diese Belege dafür unterschrieben hatten.

Handwerker als Komplizen

Mit dem ehemaligen Kaderangestellten der Gemeinde stehen auch drei Handwerker vor Gericht. Die Anklage gegen den ehemaligen Leiter der Zermatter Wasserwerke und gegen einen Schreiner lautet auf gewerbsmässigen Betrug und mehrfache Urkundenfälschung. Zwei Mitangeklagten, dem Schwager des Haupttäters und einem Maler, werden Betrug, Mittäterschaft respektive Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug sowie mehrfache Urkundenfälschung vorgeworfen. Die Angeklagten sind teilweise geständig. Das Urteil wird am 10. Mai erwartet.