Ein Kartengruss kommt nicht aus der Mode

In diesen Tagen greifen viele Menschen zum Griffel und verschicken Karten mit den besten Wünschen zum Jahreswechsel. Die Chance, dass der sehr persönliche Gruss auf einer Karte des ABC-Verlages steht, ist gross. Dem über hundertjährigen Unternehmen in Schönbühl (BE) gehts nämlich gut.

In der lichtdurchfluteten Druckereihalle des ABC-Kartenverlages in einer Gewerbezone von Schönbühl (BE) herrschte kurz vor Weihnachten und Neujahr emsiges Treiben. Es ist eine gute Zeit für das 110-jährige Traditionsunternehmen. Freunden und Familie die besten Wünsche zum Jahreswechsel mit einer von Hand geschriebenen Grusskarte mitzugeben, gilt nach wie vor als besonders persönliches Zeichen der Wertschätzung. Daran ändern letztlich auch SMS-Grüsse, Mails oder Apps nichts.

In diesem Karten-Metier ist der ABC-Kartenverlag Marktführer im deutschsprachigen Europa. «Es geht uns gut, weil wir die ganze Produktionskette im eigenen Haus haben und deshalb gut ausgelastet sind», bestätigt Christian Beck, seit 2011 CEO des Betriebs, «aber wir müssen täglich kreativ und aktiv bleiben, damit es so bleibt.»

Ein Schritt in diese Richtung sind neue Druck- und Verarbeitungsmaschinen, die den Betrieb rationeller, schneller und profitabler machen. Oder die Suche nach neuen Vertriebskanälen. «Es gibt auf dem Land immer weniger Fachhändler und Papeterien. Da schauen wir genau hin, wo wir uns sonst etablieren können.»

«  Wer eine Karte schreibt, will Freude bereiten. Somit machen 50 Millionen Karten 100 Millionen zufriedene Leute. »

Christian Beck
CEO des ABC-Kartenverlags in Schönbühl (BE)

ABC produziert pro Jahr ungefähr 50 Millionen Kunst- und Glückwunschkarten für die halbe Welt und verfolgt aufmerksam, was im Trend ist. «Wir erkundigen uns zum Beispiel, was die Leute tragen, welche Farben aktuell sind. So kreieren wir zusammen mit Künstlern und Fotografen rund 1400 neue Sujets pro Jahr», sagt Christian Beck. Denn ein Kunde entscheidet oft in einer Sekunde, ob ihm eine Karte gefällt oder nicht.

Karten reagieren auf den gesellschaftlichen Wandel

Manchmal sind die traditionellen Motive gefragt, manchmal Glitzer und Glimmer und Prägedruck, manchmal coole Grafiken. «Es gibt Bilder, die in Frankreich und in der Romandie beliebt sind und in der Deutschschweiz überhaupt nicht. Oder Leuchttürme sprechen die Norddeutschen an und die Bayern wollen Jagd-Motive.»

Spannend, was der ABC-Chef so über gesellschaftliche Veränderungen mitbekommt. «Wir wissen, dass Kunstkarten bei jungen Leuten in ihren WG's sehr beliebt sind.

Oder wir merken, wenn es den Leuten wirtschaftlich nicht so gut geht. Sie verzichten auf Geschenke, besinnen sich auf ihre Freunde und kaufen dafür eine schöne Karte». Und er schmunzelt über die Karten im Archiv, die vor Jahrzehnten das Rollenverständnis und den Zeitgeist schön dokumentierten. Die Karte zur Geburt des Kindes ging nur an die Mutter. Die Gratulation zur Pensionierung nur an den Mann.

Klares Bekenntnis zur Region

Rund 100 Mitarbeitende im Stammhaus in Schönbühl, 30 Heimarbeitsplätze, acht Arbeitsplätze für behinderte Menschen, dazu etwa 180 teilzeitangestellte Mitarbeiter in Europa machen das möglich. Dem ABC-Verlag gehören das Kreativ- und Marketing-Unternehmen Prolith AG an, das auch die Druckvorstufe, das Fotostudio und den Digitaldruck betreibt und die Tomato Products AG mit ihren Geschenk- und Trendartikel.

Dass der ABC nicht längst zum Beispiel in Deutschland druckt, versteht Christian Beck als klares Bekenntnis zur Region und zu seiner Rolle als Arbeitgeber. Den Euroschock im Januar 2015 hat das Unternehmen weggesteckt, trotz eines Exportanteils von rund 50 Prozent der Produktion.

CEO Christian Beck schätzt sich dazu glücklich, dass die Besitzerfamilie voll hinter dem Unternehmen steht und auch nachhaltig investiert. So betreibt der ABC-Verlag im Haus eine eigene Kindertagesstätte, deckt den Strombedarf seit September 2015 mit einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach, dazu kümmern sich der CEO und ein Kadermitarbeiter um eine Stiftung für Demenzkranke und um eine Alters-WG. «Das hat es schon vor meiner Zeit gegeben. Es ist ein Zeichen, wie wir miteinander umgehen und wie wir uns als Unternehmen verstehen.»