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Bern Freiburg Wallis Freie Fahrt für Velos vom Berner Bahnhof ins Wankdorf

Vom Berner Bahnhof bis zum Wankdorfplatz und zurück: Auf der ersten Berner Velo-Hauptroute erhalten die Fahrräder mehr Platz und grüne Ampelwellen zu Stosszeiten. Ziehen deshalb Busse und Autos den Kürzeren? Nein, sagt der Verkehrsplaner.

Richtig komfortabel ist die Situation für Velofahrerinnen und -fahrer an manchen Stellen: Bis zu 3,5 Meter breit sind die neuen Velostreifen vom Berner Bahnhof Richtung Wankdorf und umgekehrt. Mal teilen sich die Velos die Spur mit Bussen, mal haben sie eine eigene. Doch manchmal müssen sie sich wieder mit 1,5 Metern Breite begnügen.

Ganz entspannt geht nicht

Wo die Spur breit genug ist, dürfen Velos auf der Velo-Hauptroute nebeneinander fahren. Aber eben: Plötzlich wird die Spur auf der Strecke zwischen Wankdorf und Bern Bahnhof wieder schmaler. «Man muss vorausschauen», sagt dazu der Stadtberner Verkehrsplaner Karl Vogel.

Grüne Ampel für Velos
Legende: Lauter grün für Velos. Elisa Häni/SRF

Grüne Welle für Velos

Morgens von 6:30 bis 9 Uhr sind die Ampeln zwischen Wankdorf und Bern Bahnhof so eingestellt, dass Velos mit normaler Geschwindigkeit eine «grüne Welle» haben.

Abends von 16 bis 19 Uhr gilt das Gleiche stadtauswärts. Dazwischen schalten die Ampeln normal, je nach Verkehrsaufkommen. Die Fahrräder werden also bei den Ampeln zu den Taktgebern. Vorher waren es die Busse.

Wir werden sehen, ob die Busse gleich gut vorwärtskommen wie vorher.
Autor: Rolf MeierKommunikationsleiter Bernmobil

Beim ÖV-Unternehmen Bernmobil ist man zuversichtlich, dass das neue Regime auf den Fahrplan keine negativen Auswirkungen haben wird: «Wir gehen davon aus, dass die Busse gleich freie Fahrt haben werden wie bisher», sagt Mediensprecher Rolf Meier. Schliesslich waren Lichtsignal-Spezialisten von Bernmobil bei der Planung dabei. Ob die Busse dann wirklich gleich gut vorwärtskommen wie vorher, müsse sich allerdings noch zeigen: «Darum sind wir am Monitoring interessiert, das die Stadt durchführen wird.»

«Eine gute Sache, aber...»

Eine gewisse Kritik an der Idee von Velo-Hauptrouten äussert der Verkehrs- und Raumplaner Jürg Dietiker aus Brugg (AG). An sich seien sie eine gute Idee. Das Problem liege vor und nach der Route, wo sich die Velofahrerinnen wieder im normalen Verkehr wiederfinden. Dietiker plädiert dafür, dass in Städten konsequent Tempo 30 eingeführt wird.

Irgendwann ist das Netz zusammenhängend und sicher.
Autor: Karl VogelLeiter Verkehrsplanung Stadt Bern
Karl Vogel neben dem Nordring in Bern.
Legende: Verantwortlich für die neue Velo-Hauptroute: Karl Vogel. SRF

Tempo 30 überall in der Stadt, das werde derzeit nicht angestrebt, sagt Karl Vogel von der Berner Verkehrsplanung. Das Velonetz werde hingegen weiter ausgebaut. Leider habe man das Netz nicht auf einmal fertigstellen können. «So müssen wir halt eine Route nach der andern umsetzen.» Irgendwann sei das Berner Velonetz dann zusammenhängend, direkt und sicher.

Von 11 auf 20 Prozent

Die erste Velo-Hauptroute zwischen Bahnhof und Wankdorfplatz ist Teil eines grösseren Konzepts. Ziel der Stadtregierung ist es, den Veloanteil am Verkehr bis ins Jahr 2030 von bisher 11 auf 20 Prozent zu steigern.

Gleichzeitig mit der Eröffnung der ersten Velo-Hauptroute wurde am Montag auch der öffentliche Mitwirkungsprozess der sogenannten «Velo-Offensive» eingeläutet. Dieser soll dazu dienen, eine ganze Reihe von vorgeschlagenen Massnahmen zur Förderung des Veloverkehrs in Bern auszuwerten und breit abzustützen.