Frühenglisch: cool für die Kids, aufwändig für die Lehrer

Eine Freiburger Testklasse zeigt: Kinder mögen Englisch ab der 5. Klasse. Im bernischen Uttigen spricht eine Schulleiterin vom grossen Aufwand, der auf die Lehrerinnen und Lehrer zukommt. Im Wallis findet ein Schulleiter, Englisch werde das Französisch konkurrenzieren.

Kinder und Lehrerin an einer Wandtafel mit englischen Wörtern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Testklasse im freiburgischen Gurmels kommt das Frühenglisch bei den Kindern gut an. SRF

Gurmels im Kanton Freiburg: In einer Testklasse wird Englisch ab der 5. Klasse bereits geprobt. Die Kinder finden es cool: «Wir können bereits besser Englisch als Französisch» - auch wenn sie seit der 3. Klasse Französisch lernen.

Die Schüler seien in der Tat sehr motiviert, sagt Lehrerin Nathalie Fasel: «Ziel der neuen Art von Englischunterricht ist es nicht mehr, Grammatik zu büffeln, sondern Englisch sprechen und verstehen zu können.» Das Lehrmittel müsse allerdings noch verbessert werden, findet sie. Weil alle Anweisungen auf Englisch seien, könnten die Schüler wenig selbstständig arbeiten.

Viel hängt von den Lehrpersonen ab

Auch im Kanton Bern gibt es Testklassen für Frühenglisch, zum Beispiel in Uttigen im Aaretal. Schulleiterin Helena Denkinger hat ebenfalls erlebt, wie motiviert die Kinder für diese Sprache sind. Viel hänge allerdings von der inneren Haltung der Lehrpersonen ab. Und: Von der Belastung, welcher diese bereits ausgesetzt seien durch die vielen Änderungen der letzten Jahre.

Das Frühenglisch mit seiner total neuen Didaktik bringe für die Lehrpersonen einen grossen Aufwand mit sich. Auch, weil sie selber ihre Sprachkenntnisse verbessern müssten. Jüngere Lehrerinnen und Lehrer hätten es da einfacher: «Sie haben einen freieren Umgang mit den Sprachen und sie kommen von der Pädagogischen Hochschule mit dem passenden Sprachniveau.» Für ältere Lehrpersonen aber gebe es viel zu tun.

Konkurrenz für das Französisch?

Im Wallis wirft die kommende Einführung des Frühenglisch keine Wellen. Auf eine entsprechende Information in der Gemeindezeitung, welche an alle Einwohner ging, habe niemand reagiert, sagt der Schulleiter von Brig-Glis, Robert Lochmatter. Für die Walliserinnen und Walliser seien Fremdsprachen in der Primarschule halt nichts Ungewohntes.

Er selber aber ist skeptisch: «Schweizweit setzen wir in der Ausbildung zu stark auf die Sprachen.» Lochmatter möchte lieber die naturwissenschaftlichen Fächer stärken. Konsequenterweise müsste man laut ihm eine der beiden Fremdsprachen in der Primarschule wieder streichen - und zwar das Französisch: «Natürlich ist es in unserem Kanton speziell brisant, wenn man das Englisch dem Französisch vorzieht. Aber ich glaube, längerfristig wäre das richtig.» Man könne sich der Bedeutung des Englischen weltweit nicht verschliessen.

Vorerst sieht die Zukunft in den Kantonen entlang der Sprachgrenze zur Romandie so aus: Ab Sommer 2013 wird an allen Schulen ab der 3. Klasse Französisch und ab der 5. Klasse Englisch unterrichtet.