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Bern Freiburg Wallis «Für mich war Pädu Anliker wie ein Mami»

Der Konzertveranstalter Pädu Anliker ist im Alter von 59 Jahren überraschend gestorben. Mit seinem Kulturlokal «Café Bar Mokka» in Thun war Anliker über die Landesgrenzen hinaus bekannt und er hat mit seiner Art Spuren hinterlassen.

Legende: Video Thuner Stadtoriginal Pädu Anliker ist tot abspielen. Laufzeit 2:33 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 26.10.2016.

In all den Jahren war der «Möggu» für viele Thunerinnen und Thuner eine Art kultureller Heimathafen. Der kleine, mit tausenderlei Chichi eingerichtete Club machte Grossstadtkultur mitten in der Provinz.

Seit seinen Anfängen in einem ehemaligen Jugendtreff an der Allmendstrasse ist aus dem «Möggu» so etwas wie ein eigenes Universum geworden, angetrieben von der unbändigen Energie des eigenwilligen Zeremonienmeisters Anliker. Pädu Anliker hat tiefe Spuren hinterlassen.

Das Mokka als Zuhause

Pädu Anliker war nicht nur der Betreiber der Café Bar Mokka, sondern auch Koch. «Er hat uns Bands immer wunderbar umsorgt und uns bekocht», sagt Bluesmusiker Philipp Fankhauser. «Und schon die Garderobe ist eine Sensation. Ein Altar aus 30 Jahren Anliker-Arbeit mit viel Krimskrams.» Man spüre Pädu gut im Café Mokka, sagt Fankhauser.

Es ist viel Pädu-Spirit im Café Mokka.
Autor: Philipp FankhauserBluesmusiker

Konzertveranstalter Philippe Cornu, bekannt vom Gurtenfestival in Bern, kennt Pädu Anliker seit gut 30 Jahren. «Er eröffnete das Café Mokka, ich einen Plattenladen in Thun.» Mit Pädu Anliker habe er immer sehr interessante - und lange - Gespräche geführt und er sei wie ein Mami gewesen, sagt Cornu. «Er hat die Café Bar Mokka geprägt, war Betreiber, Koch, Ansager. Er kochte für die Bands auch morgens um ein Uhr noch ein Menu, wenn sie erst dann essen wollten.»

Meist kettenbehangen, oft geschminkt und in auffälligen Kleidern, mischte der langhaarige Hüne seit Jahren das beschauliche Thuner Stadtleben auf – ein Unikum. Oft sah man ihn am späteren Vormittag zeitunglesend in einem Café. Er selber äusserte sich immer wieder pointiert und unverblümt zum aktuellen Geschehen und zu gesellschaftlichen Veränderungen, unter anderem auch in Zeitungskolumnen.

Der Preisgekrönte

Pflegeleicht war «Mr. Mokka» nie. Immer wieder legte er sich mit den Behörden an, wenn es darum ging, der jungen Kultur genügend Raum zu verschaffen. Auch Entwicklungen im Musikbusiness verfolgte er kritisch-hinterfragend.

Anliker gab aber auch jungen Musiktalenten immer wieder die Möglichkeit, erste Erfahrungen auf der Bühne zu sammeln und war damit auch ein wichtiger Förderer der regionalen Musikszene.

Auch wenn sich Anliker immer wieder mit seiner Heimatstadt anlegte, so entstand daraus mit der Zeit so etwas wie Reibungswärme. Erst kürzlich zeichnete ihn die Stadt mit dem Thunpreis aus. Eine Ehrung, die in unregelmässigen Abständen für ausserordentliches Engagement zugunsten der Stadt vergeben wird.

Ich habe wahnsinnig Angst vor dem Alter.
Autor: Pädu Anlikerim Regionaljournal am 2.10.2016

«Die Leute kommen und sagen, der Preis ist verdient. Das freut mich», sagte Anliker Anfang Oktober im Regionaljournal. Und er gestand, dass er wahnsinnig Angst vor dem Alter habe. Gleichzeitig lebe er nach der Philosophie: «Jeder Tag ist ein Tag. Und jeder Tag bietet eine neue Chance.»

Verleihung findet statt

Die Preisverleihung ist für kommende Woche geplant. Sie findet in Absprache und auf Wunsch der Angehörigen statt, wie die Stadt Thun mitteilte. Geplant ist auch eine öffentliche Abdankungsfeier, Ort und Datum sollen in der Todesanzeige bekanntgegeben werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Wer ein anarchistisches, extravagantes und möglichst linksideologisches Leben führt, wird in den Medien spätestens nach seinem Tod zum exklusiven, seitengrossen Medienstar! Ich würde auch gerne einmal eine solche Medienpräsenz erwarten, wenn zum Beispiel ein "Eisenleger" oder eine Spitex-Angestellte, der (die) mit 59 Jahren (mit einem geschundenen, kaputten Rücken vor ihren AHV-Bezügen, sterben mussten!
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    RIP!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Viel zu früh verstorben, da freut sich nur die AHV, die einen potentiellen Pensionär weniger hat, der aber immer schön brav einbezahlt hat. Ist meinem Bruder sehr aehnlich ergangenen..., wird mir auch so ergehen, Freude herrscht nun nur im Sozialversicherungs und Pensionswesen. Das ist der Alten Zukunft, immer schön einzahlen und leer ausgehen, wie es sich gehört! Ein echtes Zukunft-Modell fuer die Wirtschaft und deren Interessenverbaende.
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    1. Antwort von Ursula Sieber (Ursula Sieber)
      Tragisch! Ich (Jg 1971) bezahle auch schön fleissig meine AHV und werde wahrscheinlich auch nichts davon haben. Der kleine Unterschied: ich muss aber damit LEBEN.
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