Gassenarbeit Bern: Wenn es dem Tier besser geht als dem Besitzer

Wer auf der Strasse lebt, findet oft in einem Tier den besten Freund, den treusten Lebensbegleiter. Doch was, wenn es dem geliebten Tier plötzlich nicht mehr gut geht, das Geld für den Tierarzt aber fehlt? Ein Fall für die Gassen-Tierärztin.

«Kein Mensch kann mir geben, was sie mir gibt», beschreibt ein junger Mann mit langen Rasta-Locken das Verhältnis zu seiner Hündin Cina. Der Mann lebt im Bremgarten-Wald und nennt sich Mätthu. «Ich verbringe meine ganze Zeit mit ihr, da entsteht eine aussergewöhnlich tiefe Bindung». Geht es Cina schlecht, gehe es auch ihm schlecht. Aber: «Ich habe nicht viel Geld. Einen regulären Tierarzt kann ich mir nicht leisten.»

«  Durch die Arbeit mit den Tieren kann ich auch den Besitzern helfen, das gefällt mir. »

Igna Wojtyna
Tierärztin

Für Menschen wie Mätthu gibt es das Angebot der Gassen-Tierarbeit. Einmal im Monat kommt die Tierärztin Igna Wojtyna von Zürich nach Bern. Sie kümmert sich in den Räumlichkeiten der Gassenarbeit Bern um die Tiere von Menschen, die kein Geld für den normalen Tierarzt haben. «Ich staune immer wieder, dass die Menschen auf der Strasse manchmal besser zu ihrem Tier als zu sich selber schauen», sagt die Tierärztin. Durch die Gespräche könne sie gelegentlich auch den Menschen helfen, sie beispielsweise zum Arzt schicken.

Porträt von Isabel Calvo, auf dem Schoss hat sie einen grau-weissen Hund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch Isabel Calvo von der Gassenarbeit Bern ist eine Tierliebhaberin. SANDRA CHRISTEN/SRF

Die Termine bei der Gassen-Tierärztin sind immer schon im Voraus restlos ausgebucht. «Wir weisen aber niemanden ab», sagt Isabel Calvo von der Gassenarbeit Bern. Sie weiss, wie wichtig die Tiere für die Menschen auf der Gasse sind: «Mit einem Tier lernen die Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt.»

Gratis ist auch die Gassen-Tierärztin nicht. Aber: «Die Tarife sind sehr tief, die Medikamente verkaufen wir zu Einkaufspreisen», erklärt Calvo. Hinzu kommt die finanzielle Unterstützung der Gassenarbeit Bern. «Gerne würden wir den Dienst der Gassentierarbeit ausbauen», sagt Calvo. Dazu reiche das Geld aber nicht. Das Angebot der Gassentierarbeit gibt es in Bern seit zwei Jahren.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32/17:30 Uhr)