Kunstwerke aus dem Knast «Häftlinge können sich durch das Malen abreagieren»

Das künstlerische Schaffen von Gefangenen in der Öffentlichkeit zeigen: Das ist das Ziel eines neuen Vereins «Kunst im Knast». Jetzt hat der Verein erstmals eine Ausstellung mit Werken von Häftlingen zusammengestellt.

Gemälde mit zwei Türen, die eine ist vergittert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bild eines Häftlings. Urs Gilgen/SRG

Szenen aus dem Knastalltag

Es sind nur wenige Bilder, die im Museum der Heilsarmee in Bern ausgestellt sind. Doch alle sind sie im Knast entstanden. Die Ausstellung zeigt etwa 25 Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen aus den Strafanstalten Lenzburg (AG) und Saxerriet (SG).

Portrait Marlise Pfander mit Gemälde im Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Marlise Pfander, die ehemalige Gefängnisleiterin, setzt sich für Kunst als Therapieform ein. Urs Gilgen/SRF

Menschlicher Umgang

Marlise Pfander war bis vor einigen Jahren selbst Gefängnisleiterin. Sie stand dem Regionalgefängnis Bern vor. Heute ist sie pensioniert und präsidiert den Verein «Kunst im Knast», der das Kunstschaffen in Strafanstalten fördern und die Werke öffentlich zeigen will. «Häftlinge sind auch Menschen. Durch die Malerei können sie sich ausdrücken. Das ist wichtig, denn viele sind alleine und haben keine Angehörigen.»

Druckgrafik mit Händen, die ein hohes Fenster zu erreichen versuchen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unerreichbare Freiheit: Druckgrafik eines Häftlings. Urs Gilgen/SRF

Emotionen freilegen

Sie sehe viele Gefühle in den Bildern, sagt Marlise Pfander. «Ich sehe Verzweiflung, Angst, Einsamkeit, aber auch Fröhlichkeit. Die Emotionen der Häftlinge werden sichtbar.» Und das helfe den Inhaftierten, schon nur um sich abzureagieren. Gleichzeitig könnten die Häftlinge sich und ihren Emotionen begegnen. «Im Knast müssen sie sich so oder so mit sich selbst und ihren Delikten beschäftigen.»

Zeichnung eines Häftlings, ein Selbstbildnis. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Bild, das der ehemaligen Gefängnisleiterin besonders gefällt: Selbstbildnis eines Häftlings. Urs Gilgen/SRF

Eindrückliche Werke

Marlise Pfander hat unter den Häftlingen auch grosse Talente gesehen. «Einmal hatte ich einen Insassen, der nicht zu bändigen war und ständig aggressiv wurde. Dann liessen wir ihn malen. Wie er sein Innenleben zu Papier brachte, war sehr eindrücklich.»

Miniaturmodell einer Gefängniszelle mit Playboy-Bildern an der Wand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Den Gefängnisalltag festgehalten: Installation eines Häftlings. Urs Gilgen/SRF

Nichts beschönigen

Aber rückt eine Ausstellung mit Knastkunst die Delikte der Häftlinge nicht in den Hintergrund? Nein, findet Marlise Pfander: «Mit der Ausstellung wird nichts beschönigt. Die Delikte sind begangen worden. Aber man muss die Insassen ja nicht zusätzlich strafen. Und auch ein Häftling darf ein Künstler sein.»

Bild aus verschiedenen schwarzen Schraffuren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schraffuren als Gemütsstimmungen? Gemälde eines Häftlings. Urs Gilgen/SRF

Die Ausstellung «Knastkunst 2017» ist im Museum der Heilsarmee in Bern zu sehen.