«Ich bin ein totaler Anti-Star»

Die 71jährige Geigerin Christine Ragaz erhält an einer Feier am Mittwochabend den Musikpreis des Kantons Bern. Die Berner Musikerin war Lehrerin an der Hochschule der Künste, spielte in verschiedenen Orchestern und tritt auch heute noch regelmässig auf.

Christine Ragaz in ihrem Arbeitszimmer in Bern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Leben für die Musik: Die Berner Geigerin Christine Ragaz engagierte sich auch als Pädagogin. SRF

«Die Jury hat mein musikalisches Leben wahrgenommen. Auch wenn ich auf Nebenwegen gegangen bin.» Deshalb habe sie sich sehr über diese Auszeichnung gefreut. Die Musikerin, die an einer schmerzhaften Verformung der Wirbelsäule leidet, hatte nie die grosse Karriere angestrebt. «Ich bin weder körperlich noch seelisch belastbar», sagt Ragaz im Gespräch mit dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF.

«Der schönste Lohn für mich als Geigerin ist, wenn jemand sagt, es hat mich berührt», sagt Christine Ragaz. Daher spiele sie besonders gerne in Momenten, wo Worte nicht mehr viel zu suchen hätten. Für Sterbende zum Beispiel oder an Trauerfeiern. Doch auch die bildende Kunst und Literatur haben es ihr angetan. Immer häufiger verfolgt sie Projekte, bei denen verschiedene Kunstformen ineinander greifen. Ragaz will ihrem Schaffen Sinn geben: «Je älter ich werde, desto mehr will ich wissen, für wen ich spiele.»

Die Berner Geigerin war Mitglied der Camerata Bern und des Berner Streichquartetts. Sie wirkte zudem einige Jahre als zweite Konzertmeisterin des Berner Sinfonieorchesters. Lange Jahre war sie Dozentin an der Hochschule der Künste Bern. Der mit 20'000 Franken dotierte Musikpreis 2013 wird an einer Feier am Mittwochabend verliehen.