Frauen im Stadtrat In Bern können Frauen besonders gut politisieren

Worum geht es? Seit 1970 dürfen Stadtbernerinnen abstimmen, wählen und gewählt werden. Und nun sitzen zum ersten Mal mehr Frauen als Männer im Stadtparlament: Die 80 Sitze verteilen sich auf 41 Frauen und 39 Männer.

Was sind die Gründe für die historische Mehrheit? Drei Frauen und zwei Männer haben da ihre ganz eigenen Vorstellungen.

«  In Bern ist es attraktiv mitzuwirken. »

Barbara Krattiger
Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Bern

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Bildlegende: Barbara Krattiger. zvg

Das sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bern: Rot-Grüne Parteien fördern Frauen stärker. Zudem ist Bern überschaubar und man kennt sich. In diesem Umfeld ist es attraktiv, mitzuwirken und mitzugestalten. Das motiviert Frauen. Die Stadt Bern hat in Sachen Mitwirkung eine lange Tradition, zum Beispiel mit dem Kinderparlament und den Quartierorganisationen, die in politische Prozesse einbezogen werden. Diese Massnahmen fördern politisch interessierte Frauen.

«  In der Stadt haben Frauen bessere Chancen, in der Politik Fuss zu fassen.  »

Stéphanie Penher
Präsidentin Grünes Bündnis

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Bildlegende: Stéphanie Penher. zvg

Das sagt die GB-Präsidentin: Die symbolische Bedeutung dieser Mehrheit ist gross und bildet die Zusammensetzung der Stadtberner Bevölkerung gut ab. Im urbanen Gebiet haben Frauen die besseren Chancen, in der Politik Fuss zu fassen, als auf dem Land. Das Beispiel Bern zeigt, dass es möglich ist, deutlich mehr Frauen in der Politik zu etablieren. Frauenförderung ist und bleibt ein Thema, trotz der Mehrheit im Berner Stadtrat. Zudem muss man nicht zwingend eine Frau sein, um sich für Frauenthemen zu engagieren.

«  Links-Grün hat die Frauen besser gefördert als wir. »

Claudine Esseiva
Ehemalige Generalsekretärin der FDP Frauen Schweiz

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Bildlegende: Claudine Esseiva. SRF

Das sagt die ehemalige Generalsekretärin der FDP Frauen Schweiz: Die FDP der Stadt Bern ist das beste Beispiel dafür, dass auch in einer liberalen Partei die Frauen in der Fraktion eine Mehrheit stellen können. In den letzten Jahren – das muss Links-Grün zugestanden werden – haben diese die Frauen besser und stärker gefördert, als die bürgerlichen Parteien. Auch aus liberaler Sicht können jedoch Themen bewirtschaftet werden, die Frauen bewegen. Ein Beispiel dafür sind die Tagesschulen.

«  Das Geschlecht spielt keine Rolle, nur die Inhalte zählen. »

Rudolf Friedli
Präsident SVP-Sektion Stadt Bern

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Bildlegende: Rudolf Friedli. zvg

Das sagt der SVP-Sektionspräsident: Es ist völlig belanglos, ob mehr Frauen oder Männer im Stadtparlament sitzen. Das Geschlecht spielt keine Rolle, es kommt viel mehr auf die Inhalte und auf das Handeln an. Ob mehr Männer oder mehr Frauen im Stadtrat sind, ist eine völlig nebensächliche Frage. Wir halten Ausschau nach mehr Frauen für unsere Wahllisten – aber es lassen sich einfach nicht mehr finden. Bei der SVP der Stadt Bern zählt Leistung und nicht das Geschlecht. Und «Frau sein» ist keine Leistung. Es ist doch herabwürdigend, wenn man Frauen nur wegen ihres Geschlechts wählt.

«  In der Stadt Bern ist das Reservoir an Politikerinnen am grössten. »

Mark Balsiger
Politologe

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Bildlegende: Mark Balsiger. SRF

Das sagt der Politologe: Bern ist die links-grünste Stadt der Deutschschweiz. Daher ist das Reservoir für Politikerinnen hier auch am grössten. Links-Grün verfolgt seit Jahrzehnten eine konsequente Frauenförderung. Diese trägt nun Früchte. Frauen beginnen gerne zu politisieren, wenn ein Thema sie persönlich betrifft oder bewegt. Ein Beispiel sind fehlende Kindertagesstätten für den eigenen Nachwuchs. Und so rutschen die Frauen dann via Themen in die Politik. Hinzu kommt: Die bürgerlichen Parteien haben die Frauenförderung – auch national – einfach verschlafen. Die Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache.