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Abstimmung in Moutier Jurassische Regierung im Freudentaumel

Legende: Video SRF-Korrespondent Rolf Dietrich schätzt ein abspielen. Laufzeit 02:13 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.06.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Ja zum Kantonswechsel in Moutier ist der Jubel bei der jurassischen Regierung gross.
  • Chaotische Szenen spielten sich hingegen bei den Probernern in Moutier ab: Sie hatten zunächst an einen Sieg geglaubt, nach dem Missverständnis war der Frust umso grösser.
  • Jura-Vermittler Dick Marty lobte das Abstimmungsprozedere. «Die Jurafrage ist damit abgeschlossen.»

Kantonszugehörigkeit Moutier

Moutier: Volksabstimmung über die Kantonszugehörigkeit

  • JA

    51.7%

    2'067 Stimmen

  • NEIN

    48.3%

    1'930 Stimmen

Nach dem Ja von Moutier zu einem Kantonswechsel hat die jurassische Regierung ihrer Freude freien Lauf gelassen. Die im Kantonshauptort Delsberg in einem Sitzungszimmer versammelten Mitglieder der Kantonsregierung sprangen bei der Bekanntgabe des Resultates von ihren Sesseln auf.

Sie freue sich darauf, die Einwohner von Moutier zu empfangen, sagte Regierungspräsidentin Nathalie Barthoulot. Die jurassische Regierung wird nun in corpore nach Moutier fahren – zusammen mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten des Kantonsparlamentes.

Chaotische Szenen bei den Probernern

Bei den Probernern in Moutier herrschte unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zunächst Jubel. Sie skandierten «on a gagné, on a gagné!» – «Wir haben gewonnen» – bis ein Mann durch die Versammlungshalle lief und sagte: «Wir haben verloren!» Danach machte sich Ernüchterung breit im Forum de l'Arc am südwestlichen Ortsausgang von Moutier, wo sich die Berntreuen versammelt hatten.

Pascal Tobler, Sprecher der probernischen Jugendorganisation «Sangliers», konnte das Resultat kaum fassen, als er es nach den chaotischen Momenten endlich sah. Er sprach von einer Katastrophe, das Ergebnis sei schlecht für Moutier: Er gehe davon aus, dass das Spital geschlossen werde, die Feuerwehr weggehen. Alles, was man in der Schule aufgebaut habe, werde zerbrechen. Es sei nicht geplant, dass die Sangliers sich noch am Sonntag träfen, sagte Tobler weiter. Es seien keine Aktionen geplant und für ihn sei die Jurafrage nun gelöst.

Legende: Video Moutier wechselt zum Kanton Jura abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.06.2017.

«Die Jurafrage ist damit abgeschlossen»

Mit diesen Worten hat Dick Marty auf das Votum in Moutier reagiert. Der Tessiner hat als Präsident der Interjurassischen Versammlung eine wichtige Rolle im Zwist um den Berner Jura gespielt.Das Gremium beschäftigte sich im Auftrag des Bundes mit der Lösung der Jurafrage. «Ich bin ziemlich stolz als Schweizer», kommentierte Marty vor Medienschaffenden den Urnengang. Der Prozess sei friedlich abgelaufen. Die Interjurassische Versammlung (IJV) habe einen besseren Dialog ermöglicht. Das Ergebnis dieses Sonntags «ist in Kohärenz mit dem, was hier seit 30 Jahren passiert.».

Grosse Feier in Delsberg

Hunderte von Projurassiern haben das Ja von Moutier zu einem Kantonswechsel mit Freudenschreien, Hupkonzerten und einem jurassischen Fahnenmeer gefeiert. Auf der Place Roland-Béguelin war am frühen Abend kein Durchkommen mehr. «On est chez nous» skandierten die Anwesenden und schwenkten die jurassischen Fahnen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Rinaldo Alvares (Rino)
    Worüber freuen die sich denn? Was genau bereitet ihnen so viel Freude? Müssen die jetzt weniger Steuern zahlen, oder kriegen sie jetzt das Reglement der Abfallentsorgung endlich in Französischer Sprache und können dann ihren Kehricht am richtigen Tag rausstellen. Oder wurden sie etwa von den Bernern "geföppelt" und sind jetzt zufrieden, dass sie ihnen nicht mehr läger ausgesetzt sind. Man hätte ja auch beschliessen können, dass man entscheiden kann, wohin man gehören möchte bei 50:50.
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  • Kommentar von Ruedi Lais (Ruedi Lais)
    @Guggisberg. Es gab in der Geschichte des Bundesstaats seit 1848 ausserhalb des Berner Juras überhaupt nie eine Gemeinde, welche den Kanton wechselte. Ihre Anwürfe wegen des "frankophonen Imperialismus" können Sie sich also sparen. Wir sollten als Schweizer stolz sein, wenn unser demokratisches System Territorialkonflikte ohne Blutvergiessen regeln kann. Das ist selbst in Europa nicht selbstverständlich.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Das mit dem Blutvergiessen stimmt zwar, abgesehen von einen Belier, der zum Opfer seiner eigenen Bombe wurde. Aber das "System" reagierte erst, als die JBF massive Sachbeschaedigungen bis zu Hofabfackelungen beging. Sonst haette Bern den Jura nie in die "Unabhaengigkeit" enlassen. Auch dem Lohndoemping der altfeudalen Personen-PFZ konnte 1918 nur mit dem Generalstreik der Garaus gemacht werden. Und auch jetzt futiert man sich ums Volk, solange es nicht wenigstens passiven Widerstand leistet....
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Im September duerfen 2 weitere - kleine Gemeinden - ueber einen Wechsel zum Jura abstimmen, wobei Sorviller zur jurassischen Enklave im Berner Restjura wuerde. Die jurassische Regierung koennte vom Jubelklub zu staatsmaennischem Format auflaufen, wenn sie das germanofone Ederswiler gleichzeitig zum Kanton Basel-Land entlassen wuerde. Ederswiler wurde die Abstimmung seinerzeit verwehrt, weil es noch keine gemeinsame Grenze mit damals BE und heute BL hatte. Diese hat es heute mit Roggenburg BL....
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