Kehrsatz und seine Jungen

Die Berner Gemeinde Kehrsatz hat seit Anfang Jahr einen Jugendschutzartikel. Laut diesem müssen Unter-16jährige abends nach 22 Uhr zuhause sein. Die Jungen sind irritiert.

«Wir hatten immer wieder Probleme mit Lärm und Vandalismus», begründet Katharina Annen, die Gemeindepräsidentin von Kehrsatz, den Jungendschutzartikel. An der Gemeindeversammlung sei das neue Reglement auch ohne Diskussion angenommen worden.

Der Jungendschutzartikel legitimiere lediglich eine Praxis, die man bereits anwende, heisst es von Seiten der Gemeinde. Seit 2010 patrouilliert die Sicherheitsfirma Broncos Security in Kehrsatz und schaut zum Rechten.

In Kehrsatz demonstrierten am Freitagabend über 100 Personen gegen den neuen Jugendschutz-Artikel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Kehrsatz demonstrierten am Freitagabend über 100 Personen gegen den neuen Jugendschutz-Artikel. srf

Bei den Jugendlichen stösst der neue Artikel jedoch auf Irritation. Die Regel sei einfach plötzlich da gewesen, sagen sie. Die Gemeinde häbe es verpasst, vor der Gemeindeversammlung im letzten Dezember mit ihnen zu sprechen. Ausserdem würde die Regel nur die Unter-16jährigen treffen - und die seien ja nicht die einzigen, welche in Kehrsatz nach 22 Uhr unterwegs seien.

Um gegen den Jungschutz-Artikel zu protestieren, organisierten die jungen Kehrsatzer am Freitagabend zusammen mit den Stadtberner Jungsozialisten eine Demonstration. Über 100 Personen fanden sich vor dem Dorfschulhaus ein. Die Botschaft war klar: Weg mit der «Ausgangssperre».

Das sei nicht so einfach, erklärt Gemeindepräsidentin Annen. Die Regel sei von der Gemeindeversammlung beschlossen worden. Man sei aber bereit, sich mit den Jugendlichen zu unterhalten. Ausserdem betonte Annen: «Wenn sich die Jungen an die Regeln halten, werden sie auch nach 22 Uhr nicht weg geschickt.» Die Suppe wird somit in Kehrsatz wohl nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde.