Massiv mehr Arbeitslose im Walliser Baugewerbe

Auch eine Folge der Zweitwohnungsinitiative: Die Arbeitslosigkeit im Walliser Baugewerbe hat in den ersten sechs Monaten 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent zugenommen. Dies bestätigt die Walliser Kantonsverwaltung.

Ein Immobilienunternehmer klagt auf seinem Plakat bei Crans im Wallis Franz Weber wegen verlorener Arbeitsplätze an. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Immobilienunternehmer klagt auf seinem Plakat bei Crans im Wallis Franz Weber wegen verlorener Arbeitsplätze an. Keystone

«Die Konjunktur hat sich merklich abgekühlt», sagt Peter Kalbermatten, Leiter der zuständigen Dienststelle, gegenüber dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Dies habe dazu geführt, dass die Unternehmer weniger Leute anstellen.

«Starke Auswirkungen auf das Baugewerbe»

Was ist passiert? Im Baugewerbe habe sich eine grosse Unsicherheit breitgemacht. Gerade in den Tourismusgebieten, so Peter Kalbermatten, wisse niemand so recht, was man noch bauen dürfe und was nicht. «Im Wallis hat Helvetia Nostra fast flächendeckend gegen die Bewilligung von Baugesuchen nach der Abstimmung eingesprochen», sagt Kalbermatten.

Einsprachen von Helvetia Nostra – der Organisation von Franz Weber, welche die Zweitwohnungsinitiative lanciert hat – haben in einzelnen Tourismusorten, wie zum Beispiel in Bellwald, faktisch zu einem Baustopp geführt mit starken Auswirkungen auf das örtliche Baugewerbe. Hans Ritz, der dort eine Baufirma betreibt, muss seine Arbeiter auswärts beschäftigen: «Wir gehen hinunter ins Tal und arbeiten dort im Erstwohnungsbau. So haben meine Leute Arbeit, aber auf die Dauer wandern sie dann halt weg vom Bergdorf.»

Unsicherheit auch da, wo es keine Einsprachen gab

Unsicherheit herrscht aber auch da, wo die Helvetia Nostra nicht eingesprochen hat, zum Beispiel im Goms. Ulrich Weger von der regionalen Baukommission: «Niemand weiss so recht, ob diese Baubewilligungen, die nach der Annahme der Initiative erteilt wurden, und gegen die Helvetia Nostra nicht eingesprochen hat, für Zweitwohnungen wirklich rechtsgültig sind. Der Kanton gibt nur die Bestätigung, dass es keine Einsprache gab. Wir sagen den Bauherren, dass sie bauen können aber halt auf eigene Verantwortung. Und das verunsichert und hält viele vom Bauen ab.»

Die Gemeinden und die Bauunternehmer hoffen, dass das Ausführungsgesetz endlich Rechtssicherheit schafft. Dann – so Ulrich Weger– könne man nach neuen Möglichkeiten suchen.

Bei Erstwohnungen geht Bautätigkeit weiter

Bei den Erstwohnungen im Tal und im Strassenbau hingegen geht die Bautätigkeit weiter. Dies führt dazu, dass es trotz Zweitwohnungsinitiative zu einem leichten Aufschwung im Baugewerbe kam. Davon profitieren allerdings nicht selten ausserkantonale Firmen, die auf Strassenbau spezialisiert seien. Während die kleineren Unternehmen in den Tourismusregionen zu wenig Arbeit haben.