«Müssen uns fragen: Ist der Thorberg der richtige Ort?»

Die Berner Strafanstalt hat seit gut einem Monat einen neuen Direktor: Der 51-jährige Thomas Egger soll das in Schieflage geratene Gefängnis wieder auf Kurs bringen. Bei dem, was Egger auf dem Thorberg angetroffen hat, kein leichtes Unterfangen.

Thomas Egger neben einem Radio-Mikrofon. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Ein moderner Strafvollzug ist auch in alten Mauern möglich»: Thomas Egger. SRF

Der neue Direktor soll die in Schieflage geratene Strafanstalt wieder auf Kurs bringen. «Ich habe engagierte Mitarbeiter angetroffen, die aber stark verunsichert sind wegen der Vorgeschichte und dem Bericht Brägger», so Thomas Egger. Er spricht die Thorberg-Affäre an.

«Können nicht von heute auf morgen umziehen»

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Der Thorberg in Zahlen

Der Thorberg in Zahlen
  • 180 Insassen
  • 40 Nationalitäten
  • 70 Prozent Ausländer
  • 30 Prozent Schweizer
  • 120 Mitarbeiter

Ausgelöst wurde die Affäre durch einen Insider, der alt-Nationalrat Hermann Wyeneth über Missstände in der Strafanstalt informierte. Die Vorwürfe erhärteten sich: Thorberg-Direktor Georges Caccivio besuchte in Biel Drogenprostituierte, war mit zwei Insassen per Du und kaufte einem ein Bild ab. Geht gar nicht, fanden Anfang Jahr Caccivios Vorgesetzte und stellten den Thorberg-Direktor frei.

Der externe Strafvollzugs-Experte Benjamin Brägger untersuchte die Affäre Caccivio und bemängelte dabei nicht nur den führungsschwachen Direktor. Der Strafvollzug auf dem Thorberg sei nicht mehr zeitgemäss, die Entwicklung vor 20 bis 25 Jahren stehen geblieben, das Betriebsklima schlecht, die im Konkordat vereinbarten Qualitätsstandards im Strafvollzug nicht eingehalten, Handbücher und Pflichtenhefte nicht nachgeführt.

Thomas Egger ist aber überzeugt, auch in den alten Mauern des Thorberg ist ein moderner Strafvollzug möglich: «Selbstverständlich würden wir gerne an einem Ort arbeiten, an dem die Abläufe etwas einfacher wären als in diesen alten Gemäuern. Aber wir können nicht von heute auf morgen eine Strafanstalt zügeln.»

Der 51-jährige Thomas Egger begann seine berufliche Laufbahn 1984 als Primar- und Reallehrer in Adelboden und in Eggiwil. Freiwillig arbeitete er auch in der Bewährungshilfe mit.

Ab 1998 war er in verschiedenen Funktionen für das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) tätig. Unter anderem auch für das Luftwaffen-Kommando auf dem Militärflugplatz Meiringen. Egger war auch als UNO-Militärbeobachter unterwegs.

Thomas Egger ist seit dem 1. November nicht nur neuer Direktor der Strafanstalt Thorberg, er ist auch Verwaltungsratspräsident der Engstligenalpbahnen und des Berghotels Engstligenalp. Sein Vater gründete die Skilifte. Wie Thomas Egger erklärt, wurde sein Engagement als Verwaltungsratspräsident von seinen Vorgesetzten genehmigt und tangiere seine Arbeit als Thorberg-Direktor nicht. Er erfülle das Verwaltungsratspräsidium in seiner Freizeit.