Neues BLS-Depot: Und plötzlich ist Allmendingen der Favorit...

ETH-Professor Ulrich Weidmann erachtet Allmendingen im Südosten von Bern als besseren Standort für ein neues BLS-Depot als Riedbach im Westen der Stadt. Das ist ganz im Sinn der Stadt Bern, die die Studie in Auftrag gegeben hat. Der kleine Nachbar Allmendingen ist konsterniert.

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Umstrittene Werkstätte

3:31 min, aus Schweiz aktuell vom 8.7.2016

Ein Terrain an der Bahnlinie Bern-Thun in der Gemeinde Allmendingen ist allen anderen möglichen Standorten für eine neue BLS-Werkstätte klar überlegen, befand Gutachter Ulrich Weidmann. Allmendingen habe sogar gegen den von der BLS favorisierten Standort Riedbach eine Nasenlänge Vorsprung.

Den Ausschlag gegeben hat die Tatsache, dass die ETH die betrieblichen Risiken und Kapazitätsprobleme von Allmendingen weniger hart gewichtet als die BLS. «Die BLS hat eine sorgfältige und korrekte Standort-Evaluation durchgeführt. Einfach im letzten Punkt sehen wir es anders», präzisiert Ulrich Weidmann. In Würdigung aller Umstände - mit den Messlatten der ETH - sei Allmendingen zum Favorit geworden.

Ein Depot-Standort im Osten von Bern habe zudem Vorteile, weil zwei Drittel des ganzen Rollmaterials auf dieser Seite der Stadt verkehre. «Das entlastet den Knoten Hauptbahnhof Bern».

Die von der BLS-Begleitgruppe eingebrachten Standorte Konolfingen und Thun hält die ETH als «nicht zweckmässig.» Ulrich Weidmann empfiehlt der BLS deshalb, sich zwischen Allmendingen und Riedbach zu entscheiden. Es gäbe im Einzugsgebiet der BLS keine Alternative.

Bern will gleich lange Spiesse

Das ist ganz im Sinn der Stadt Bern, die dieses Gutachten im Sinne einer zweiten Meinung bei Professor Weidmann in Auftrag gegeben hat. Die Stadt Bern lehnt zwei von drei Standorten im Westen von Bern ab, bei einem dritten ist sie skeptisch.

Stadtpräsident Alexander Tschäppät: «Unsere Forderung ist, dass die BLS die Variante Allmendingen einer gleichen Feinprüfung unterzieht wie Riedbach. Es kann ja nicht sein, dass der beste Standort von allem Anfang an eliminiert wird.»

Der Berner Stadtpräsident macht auch keinen Hehl daraus, dass Bern das Depot lieber nicht hätte. «Wir wollen nicht, dass das Depot die Stadtentwicklung im Westen auf Jahrzehnte blockiert.»

Allmendingen ist überrumpelt

Die kleine 500-Einwohner-Gemeinde im Südosten der Stadt Bern ist somit zum Favoriten für ein neues BLS-Depot geworden. «Das ist David gegen Goliath», sagt ein konsternierter Gemeinderat Patrick Linder, «dabei haben wir von der BLS-Begleitgruppe Entwarnung bekommen».

Noch hat der Gemeinderat keinen formellen Entscheid treffen können, aber Allmendingen will sich für seine paradiesische Lage wehren. Patrick Linder sagt: «Das geht es um Natur, um Schutzgebiete, um Bauernland und um einen Hof, der weichen müsste. Das ist für uns ein No-go.»

BLS und BLS-Begleitgruppe nehmen es zur Kenntnis

Für Bernhard Antener, den Vorsitzenden der BLS-Begleitgruppe für das neue Depot, ist es einfach eine neue Ausgangslage. «Wir haben andere Kriterien, damit sind die Ergebnisse nicht vergleichbar.» Man erachte den Bericht auch nicht als Rückenschuss. Die Begleitgruppe habe Ulrich Weidmann zu einer Anhörung eingeladen.

Die BLS schliesslich reagiert zurückhaltend. «Wir nehmen den Bericht zur Kenntnis. Für uns ist Riedbach aus betrieblicher Sicht immer noch die beste Variante. Aber jetzt lassen wir die Begleitgruppe arbeiten und sind gespannt auf ihre Ergebnisse», sagt BLS-Sprecherin Helene Soltermann.