Pokerspiel um bürgerliche Wende im Kanton Bern hat begonnen

Die Doppelvakanz in der Berner Regierung stellt die Parteien vor eine knifflige Aufgabe. Sowohl das bürgerliche Lager als auch die SP lassen offen, ob sie mit einem Einer- oder einem Zweierticket in die Ersatzwahl vom 28. Februar steigen werden.

Medienschaffende und Pilippe Perrenoud. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Medienschaffenden scharen sich um Philippe Perrenoud. Keystone

Zwischen den beiden Blöcken - links und rechts - machte sich am Dienstag auch die EVP bemerkbar. Sie forderte einen Sitz für die politische Mitte; schliesslich hätten EVP, GLP und CVP bei den Grossratswahlen zusammen einen Wähleranteil von 13,9 Prozent erreicht.

Ein möglicher Kandidat sei EVP-Grossrat Patrick Gsteiger aus dem Berner Jura, schreibt die Partei. Der verfassungsmässig garantierte Jura-Sitz spielt eine Schlüsselrolle bei der Ersatzwahl. Profilierte Grossräte aus dem Berner Jura sind auch etwa Roberto Bernasconi (SP) und Manfred Bühler (SVP).

Über Namen will SVP-Präsident Werner Salzmann noch nicht diskutieren. Zunächst gehe es nun um die eidgenössischen Wahlen, sagte er auf Anfrage.

Die Wende bleibt das Ziel

Sicher sei, dass die SVP zusammen mit FDP, BDP und EDU am Ziel einer bürgerlichen Wende festhalte, betonte Salzmann. Ob das Ziel mit einem Einer- oder einem Zweier-Ticket angestrebt werde, könne man später entscheiden. Unbestritten sei sicher der Anspruch der SVP auf einen zweiten Sitz in der Regierung. Salzmann pokert im Gespräch mit dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF noch höher. Die SVP stünden aufgrund ihrer Wählerstärke sogar drei Sitze zu.

Keine Namen nennen wollte auch BDP-Chef Heinz Siegenthaler. «Im Moment dreht sich alles um die nationalen Wahlen», sagte er weiter. Die Eingabefrist für Regierungsratskandidaturen laufe bis Ende Jahr, man habe also genügend Zeit, um die Weichen nach den eidgenössischen Wahlen zu stellen.

Bürgerliche pokern hoch

Sollten sich die bürgerlichen Parteien auf ein Zweierticket verständigen, stünde nebst der SVP- eine FDP-Kandidatur im Raum. Dem mochte der freisinnige Parteipräsident Pierre-Yves Grivel nicht widersprechen.

Auch er betonte aber, zunächst wolle man schauen, wie die vier bürgerlichen Parteien bei den nationalen Wahlen abschnitten. Erst nach dem 18. Oktober könne man entscheiden, wie die bürgerliche Wende am ehesten zu schaffen sei. «Eine 4:3-Mehrheit in der Regierung ist eine Möglichkeit, eine 5:2-Mehrheit ebenfalls.»

Auch SP denkt nach

Die SP lässt sich ebenfalls nicht in die Karten blicken. Präsidentin Ursula Marti sagte, ihre Partei werde wahrscheinlich schon mit zwei Personen antreten. Ein Einerticket schloss sie aber nicht aus. Die SP wolle sich nun die Zeit nehmen, um Gespräche zu führen und die neue Ausgangslage zu analysieren.

Marti sagte weiter, die SP-Parteileitung hätte es lieber gehabt, wenn die Gewählten bis zum Ende der Legislatur im Amt geblieben wären. Eine Ersatzwahl sei immer ein Risiko. Sie habe aber Verständnis für die Entscheide Perrenouds und Rickenbachers - die Regierungstätigkeit sei sehr anstrengend.