Politik erleben – besser als jede Staatskunde

In Bern wird zurzeit heftig politisiert. Jedoch nicht im Bundeshaus, sondern im Luftschutzbunker unter dem Eisstadion. Fünf Klassen eifern um die gegenseitige Gunst für ihre Ideen, darunter eine 9. Klasse aus Riggisberg.

Es ist Unterricht auf anschauliche Art. Das Projekt «Schulen nach Bern» holt fünf Schulklassen in die Bundesstadt und lässt sie als Parteien miteinander Politik machen. Jede Gruppe hat eine Initiative im Gepäck, für die sie im Vorfeld Unterschriften gesammelt hat.

Auch die Klasse von Andreas Schneider aus dem bernischen Riggisberg ist dabei. Für die Neuntklässler war sofort klar, welches Thema sie für ihre Initiative aufgreifen wollten. Seit dem Sommer wohnen in ihrer Gemeinde Asylbewerber. Und nach ersten Irritationen haben die Schüler begonnen, sich mit den Flüchtlingen auszutauschen.

Die Initiative zum Dorfthema

«Wir haben gemerkt, dass sie oft nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit tun sollen», erzählt der Schüler Nicolo Lüscher. «So hatte ich die Idee für die Initiative.» Die Klasse will nämlich, dass Asylbewerber arbeiten dürfen. «Meine Mitschüler waren alle sofort dabei.»

Als Vorbereitung auf die Intensiv-Woche im Bern haben die Schüler einen Initiativtext erarbeitet und danach Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt. In Bern müssen sie die anderen vier Klassen von ihrer Idee überzeugen. Das geschieht wie in echt mit einer Plenarabstimmung.

Es prüfe, wer sich verpflichtet

Zuvor heisst es aber, in Kommissionssitzungen die eigene Meinung zu den anderen Vorschlägen zu präsentieren. Und schliesslich müssen die Riggisberger entscheiden, welche anderen Ideen sie unterstützen wollen. Dabei gilt es auch Allianzen zu schmieden und gut zu prüfen, welche Klasse wie tickt. Nur so findet sich am Ende der Woche die nötige Mehrheit.

Wie viel politische Bildung braucht die Jugend?

Im Regionaljournal diskutierten der Chef des Berner Volksschulamtes Erwin Sommer und SP-Kantonsrätin Meret Schindler über die Frage, ob die Berner Kinder in der Schule genug über die Politik lernen.

«Schulkinder müssen verstehen, wie das politische System funktioniert, was zum Beispiel Lobbing ist», findet Meret Schindler. Sie fordert mehr Engagement in der politischen Bildung. Zurzeit sei das stark von der Lehrkraft abhängig.

Erwin Sommer vom Volksschulamt ist nicht der Ansicht, dass Politik als Fach in den Stundenplan gehört: «Die Schule sollte politische Themen aufgreifen, wenn sie da sind. Sonst wird es trocken.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)