Schafwolle packt Häuser ein

Die Schafwolle erlebt ein Revival: Die Bauindustrie hat die Wolle als Rohstoff entdeckt - für die Isolation von Häusern. Das merkt auch ein Wollhändler aus dem bernischen Worb. Doch die vorhandene Menge Wolle setzt auch Grenzen.

Über 1500 Schafe oder 1,7 Tonnen Wolle braucht es, um ein 6-Zimmer-Einfamilienhaus zu isolieren. Vor allem bei privaten Bauherren kommt der natürliche Rohstoff zum Einsatz. Die Wolle habe viele Vorteile, sagt Niklaus Sägesser aus Worb. Er sammelt die Wolle ein und lässt sie weiterverarbeiten. «Schafwolle reguliert auf natürliche Art das Wohnklima.»

Diese Vorteile schätzt auch der Architekt Peter Schürch. Doch beim Bauen zähle auch anderes. Der Preis zum Beispiel. Schafwolle sei teurer als herkömmliche Isolationen, aber auch teurer als andere ökologische Materialien. Grenzen setze auch die verfügbare Menge.

900 Tonnen Schafwolle kommen jedes Jahr in der Schweiz zusammen. Lange war die Schafschur für die Schafhalter ein Verlustgeschäft. Es war für sie billiger, die Wolle zu verbrennen, als sie zu sammeln. Diese Zeiten sind vorbei: 600 Tonnen werden wieder weiterverarbeitet, aber immer noch rund 300 Tonnen bleiben irgendwo liegen.

Auch Schafwoll-Händler Sägesser aus Worb bezweifelt, dass dereinst alle Wolle eingesammelt werden kann. Dennoch: Sein Geschäft läuft. Dieses Jahr rechnet er mit 70 Tonnen gesammelter Schafwolle.