Weltraumforschung in Bern «Schwierig, etwas zu suchen, ohne zu wissen, wie es aussieht»

Seit 50 Jahren forscht die Uni Bern im Weltraum. Das Gespräch mit Willy Benz über die Suche nach ausserirdischem Leben.

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Bildlegende: Willy Benz studierte Physik und ist seit 1997 Professor am Physikalischen Institut der Universität Bern. Keystone

SRF Regionaljournal: Willy Benz, sind wir alleine im Universum – oder gibt es Leben ausserhalb der Erde?

Ich glaube, wir sind nicht alleine. Aber ich weiss es nicht. Und was ich persönlich glaube, ist schlussendlich irrelevant.

Das ist doch eine schwierige Situation für einen Wissenschaftler: Sie glauben, dass wir nicht alleine sind, aber Sie wissen es nicht. Wie gehen Sie damit um?

Das ist die Neugier von Wissenschaftlern: Wir wollen etwas wissen, das man noch nicht weiss. Wir haben schon unsere Vorstellungen. Wenn ich glaubte, dass es hoffnungslos ist, dann würde ich nicht forschen. Ausserdem mag ich Herausforderungen. Ich habe eine unbeantwortete Frage und die versuche ich zu klären. Ich baue ein neues Instrument, teste es und dann schauen wir, wie gut es funktioniert. Da sind wir schon stolz, wenn wir die Antworten als erstes finden können.

Und die Antwort wäre dann: Ja, es gibt Leben ausserhalb der Erde?

Das wäre die beste Antwort, die es gibt, ja.

An der Universität Bern suchen Sie mit der «CHEOPS-Mission» nach ausserirdischem Leben. Wie funktioniert das?

Mit CHEOPS können wir die Suche auf die wahrscheinlichsten Planeten eingrenzen. Wir bauen eine Liste von Planeten auf, die man später genau untersuchen kann. Aber um das zu machen, muss man zuerst wissen, wo man suchen muss.

Dann haben Sie eine Liste von verschiedenen Planeten, die um Sterne kreisen, und können sagen: «Hier suchen wir»?

Wir möchten vor allem Planeten von nahen Sternen untersuchen, die sind einfacher zu studieren. Wir begrenzen uns auf einige tausend hellste Sterne im Himmel. Es ist davon auszugehen, dass lebens-freundliche Planeten relativ klein sind. Eher erdähnlich, nicht genau gleich, aber ähnlich. Dann versuchen wir herauszufinden, welche einen festen Boden haben und vielleicht eine Atmosphäre wie die Erde. Es ist schwer etwas zu suchen, wenn man nicht weiss, wie es aussieht. Das ist auch ein Problem bei der Suche nach ausserirdischem Leben.

Wie können Sie gezielt suchen?

Vielleicht ist es ein Fehler, aber wir suchen nach Leben, wie wir es auf der Erde kennen. Denn da kennen wir die Spuren, die Leben hinterlässt in der Atmosphäre.

Wir sprechen also von Elementen, die auf der Erde vorkommen?

Die Planeten sind viel zu weit weg, als dass man in unmittelbarer Zukunft die Oberfläche fotografieren könnte. Deshalb untersuchen die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre. Je nach Zusammensetzung kann man dann Rückschlüsse ziehen, ob Leben möglich ist oder nicht.

Das Gespräch führte Matthias Baumer. Welche Zeichen konkret auf ausserirdisches Leben hindeuten, beantwortet Willy Benz im untenstehenden Audio-Interview.