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Seeländer Kanalsystem am Limit So soll der Gemüsegarten der Schweiz gerettet werden

Legende: Video Umwandlung von Moorböden zu Nutzflächen abspielen. Laufzeit 05:00 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.11.2018.
  • Das Entwässerungssystem im Grossen Moos zwischen Bieler- Neuenburger- und Murtensee hat die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht.
  • Die zunehmenden Wetterextreme machen nach Ansicht vieler betroffener Bauern einen Ausbau des Kanalsystems nötig.
  • In Murten startet heute eine Landsgemeinde mit über 300 Vertretern der betroffenen Kantone das Lobbying für das Milliardenprojekt.
  • Naturschützer sehen weitere bauliche Eingriffe kritisch und fordern eine weniger intensive Landwirtschaft.
Legende: Video «Wir haben hier die besten Ackerflächen, die Verfassung gebietet ihren Erhalt» abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.11.2018.

Der Klimawandel stellt die Landwirte vor grosse Herausforderungen. Entweder ist es zu trocken, oder es fallen in kurzer Zeit viele Niederschläge. Das führt zu empfindlichen Ertragsausfällen und bedroht in einzelnen Regionen die längerfristige Existenz vieler Bauern.

Bildvergleich

Regler nach links verschieben Regler nach rechts verschieben
Legende:In den bisherigen Korrektionen wurden zunächst die Seenpegel gesenkt und ausgeglichen und dann das Moor weiter entwässert.

Durch die erste und zweite Juragewässerkorrektion (1868-1878 und 1963-1973) wurde aus der Moorlandschaft des Seelandes fruchtbarer Boden. Hier wird ein Viertel des Schweizer Gemüses produziert. Doch das Kanalsystem im Grossen Moos ist in die Jahre gekommen und stösst bei den heutigen Wetterbedingungen regelmässig an seine Grenzen.

Erweiterung des Kanalsystems

Das Kanalsystem muss erweitert werden, sind die Vertreter der Landwirtschaft überzeugt. Je nach Wettersituation soll aus den drei Seen und den grossen Verbindungskanälen Wasser in die Felder zu- und abgeleitet werden können. Das würde die landwirtschaftliche Produktion im Seeland nachhaltig sichern, sagen die Bauern sowie Vertreter der Gemeinden.

Karte
Legende: Die Be- und Entwässerung der Felder im einstigen Moorgebiet soll verbessert werden. Je nach Wettersituation soll aus Seen und Kanälen Wasser in die Felder abgeleitet werden. SRF

Sie berufen deshalb in Murten eine Landsgemeinde ein, um die kantonalen und eidgenössischen Behörden von der Notwendigkeit einer dritten Juragewässerkorrektion zu überzeugen.

Ein Milliardenprojekt

Neben der Bewässerungs-Situation bereitet der Zustand der Torf-Böden vielen Landwirten Sorgen. Wenn der Torf mit Sauerstoff in Berührung kommt, baut er sich ab. Der fruchtbare Boden geht verloren und viel schädliches Kohlendioxid (CO2) entweicht in die Umwelt. Die Landwirte möchten ihre Felder deshalb mit grossflächigen Aufschüttungen sichern.

Abgesunkener Boden um das Fundament eines Strommasts
Legende: Um bis zu 1,5 Meter ist der Boden wegen der Zersetzung des Torfs stellenweise abgesunken. Die Bauern wünschen sich Nivellierungen durch Aufschüttung. SRF

Die Initianten der dritten Juragewässerkorrektion rechnen mit Kosten von einer Milliarde Franken innerhalb der nächsten dreissig Jahre.

Naturschützer sind nicht einverstanden

Die Natur- und Landschaftsschutzorganisationen haben zwar ein gewisses Verständnis für die Sorgen der Landwirte . Die vorgeschlagenen Massnahmen gehen für sie jedoch zu weit und sie sind zu einseitig auf die Produktivität der Landwirtschaft ausgerichtet. Stattdessen fordern sie eine weniger intensive Produktion, die mit den natürlichen Ressourcen schonender umgeht, sowie eine grössere Biodiversität im Seeland.

Legende: Video «Es braucht eine weniger intensive Landwirtschaft. Manche Böden werden nicht mehr bewirtschaftbar sein» abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.11.2018.

Sendebezug: SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 06:32 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Ein fruchtbarer Boden ist mehr wert als Gold. Jeder Landwirt weiss, dass ein humusreicher Boden fruchtbar ist. Wer Humus in seinem Acker haben will, muss den organischen Anteil stabilisieren. Fünfhundert Jahre dauert es, bis sich eine fruchtbare Humusschicht von nur zweieinhalb Zentimetern auf einem Boden bildet, der landwirtschaftlich genutzt wird. Viel Boden wurde zubetoniert, vergiftet, ausgelaugt. Der Mensch behandelt die Erde wie Dreck und ruiniert eine seiner wichtigsten Ressourcen.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Nur sollte man nicht die gleichen Fehler machen wie die Russen und Chinesen, sonst ist eine Katastrophe vorprogrammiert.
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  • Kommentar von Daniel Bucher (DE)
    Das Ganze hat wenig mit dem Klimawandel zu tun. Im grossen Moos wird seit Jahrzehnten Raubbau auf den Torfböden betrieben. Mit industrieller Produktion wird der Boden nachhaltig zerstört. Die Torfschicht ist mehrere Meter zurückgegangen und nicht nehr so aufnahmefähig wie früher. Darum die wassergefüllten Senken auch bei moderaten Niedrschlägen.
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