Skigebiet Charmey vor ungewisser Zukunft

Die Bergbahnen im Freiburger Charmey leben vom Wintersport – wie viele andere Bahnen auch. Da der Schnee in tiefen Lagen immer rarer wird, hat Tourismusdirektor Christophe Valley vorgeschlagen, nach Alternativen zum Skitourismus zu suchen. Damit sticht er in ein Wespennest.

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Skigebiet Charmey vor ungewisser Zukunft

2:07 min, aus Schweiz aktuell vom 7.4.2016

Die Bergbahnen Charmey kämpfen seit Jahren ums finanzielle Überleben. Der diesjährige schlechte Winter ohne Schnee hilft dabei nicht gerade. Warum nicht ganz auf den Skitourismus verzichten, die Leute ins Nachbardorf Jaun zum Skifahren schicken und nach Alternativen suchen? Diese gewagte Idee kommt nicht von einem Umweltaktivisten, sondern vom Tourismusdirektor von Charmey, von Christophe Valley.

Unerhört findet dies Stéphane Schaeppy, Direktor des Hotels «Cailler» in Charmey, dem grössten Hotel des Dorfes. «Der Tourismusdirektor soll Charmey verkaufen und nicht uns in den Rücken fallen.» Er habe kein Vertrauen mehr in einen solchen Direktor.

Steuerzahler helfen Bergbahnen

Vor wenigen Jahren haben Kanton und Skistationen 50 Millionen Franken in neue Bergbahnen in den Freiburger Voralpen investiert. In Charmey wurde eine Gondelbahn für acht Millionen Franken gebaut. Doch die Bahnen rentieren nicht. Jedes Jahr stecken die Steuerzahler mehrere hunderttausend Franken in den Betrieb. Trotzdem klagt Jacques Lüthi, Gewinner der Olympiabronzemedaille im Slalom 1980 und Betreiber des einzigen Sportgeschäftes. Die Einwohner hatten sich nämlich gegen Schneekanonen ausgesprochen - und damit laut Lüthi gegen den Tourismus.

«  Das war ein Votum gegen den Tourismus »

Jacques Lüthi
Inhaber Sportgeschäft

Thomas Steiner, Direktor von Freiburg Tourismus, findet die Aussagen des Tourismusdirektors von Charmey verfrüht und problematisch. «Es wird eine Wertschöpfungsstudie zu den Bergbahnen im Kanton erarbeitet.» Auch in Charmey arbeite man verschiedene Szenarien aus. Klar ist: Die Rentabilität muss erhöht werden.

Der Skitourismus hat in den Voralpen kaum eine Zukunft

Martine Rebetez ist Professorin für Klimatologie an der Uni Neuenburg und arbeitet bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Sie hat die Entwicklung des Schnees untersucht. «In 20 Jahren wird es in den Voralpen weniger und weniger häufig Schnee haben.»

Der Monat Dezember sei besonders betroffen. Schneekanonen würden nur zum Teil helfen. «Da es oft zu warm sein wird und viel regnet, kann auch kein Schnee produziert werden», erklärt die Klimatologin.