Thuner Wanderung im Wirrwarr der Labels

Thun verabschiedet sich vom Label als Gesundheitsstadt. Zu teuer, zu aufwändig, der Nutzen nicht belegbar, so die Begründung. Es ist eine Reaktion auf die unübersichtliche Fülle der Labels und deren Kriterien und Anforderungen.

Verschiedene Labels nebeneinander. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nicht einfach, im Labeldschungel den Überblick zu behalten. SRF

«Wir haben den Nutzen für die Bevölkerung nicht schlüssig nachweisen können», sagt der Thuner Gemeinderat Peter Siegenthaler, «Die Kosten lassen sich nicht rechtfertigen». Und so zieht sich die Stadt Thun aus dem Projekt Gesundheitsstadt zurück.

Es hatte vor vier Jahren zusammen mit Uster begonnen. «Und es war ja nicht für nichts. Der Prozess war spannend und hat viel gebracht. Jetzt fragen wir uns, was wir noch besser machen können - halt ohne Label», sagt der Thuner Gemeinderat. Diese politische Beurteilung teilte der Stadtrat schon im Februar, als es um das Unesco-Label für besonders kinderfreundliche Gemeinden ging. Das Parlament lehnte ab.

Münsingen zufrieden, Lyss nimmt's mit Augenmass

Lange Erfahrung zumindest mit dem Energiestadt-Label hat Münsingen. Die Aaretal-Gemeinde war 1998 die erste im Kanton Bern, die dieses Label und später auch das Gold-Label bekam. «Wir wurden bekannter. Und wegen des Labels haben wir strenge Energievorschriften. Sie verlangen bei Neubauten einen Anteil von 50 Prozent erneuerbarer Energie. Das erreichen alle», sagt Gemeinderätin Rosmarie Münger.

Lyss, eine der Städte mit dem Energielabel und seit Sommer 2013 von der Unicef ausgezeichnet als kinderfreundliche Gemeinde, bekam mit dem Unicef-Label eine Belohnung für eine Arbeit, die sie schon geleistet hatte. «Ein Beweis, dass wir gut gearbeitet haben und uns so positionieren können. Wir mussten für das Label eigentlich nichts mehr machen», erklärt Gemeindepräsident Andreas Hegg.

Allerdings ist ihm bewusst, dass zum Beispiel beim immer aufwendigeren Energiestadt-Label Fragen nach der Verhältnismässigkeit zwischen Aufwand und Ertrag gestellt werden. Sein Rat: «Man muss es mit gesundem Menschenverstand angehen. Und dann das machen, was man als Gemeinde will - nicht nur des Labels willen».