Uwe Schönbeck: «Ich bin kein einsamer Wolf»

Der Liebling des Berner Theaterpublikums blickt in seinem neusten Solostück «Die Sternstunde des Josef Bieder» hinter die Kulissen des Theateralltags. Alleine auf der Bühne zu stehen, hat für Uwe Schönbeck einen besonderen Reiz.

Zu sehen ist Uwe Schönbeck in seiner Rolle als Josef Bieder. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Theaterrequisiteur Josef Bieder (Uwe Schönbeck) muss das Publikum bei Laune halten. ZVG

«Zeigen Sie mir einmal ihr Billett», fordert Joseph Bieder eine Frau in der ersten Reihe auf. «Tatsächlich. Da steht das richtige Datum.» Das Publikum ist also da, aber niemand, der eine Vorstellung geben könnte. So muss Josef Bieder also selber ran: Knapp eineinhalb Stunden unterhält Uwe Schönbeck in seiner Rolle als leicht verschrobener Theaterrequisiteur Bieder das Publikum. Mit Anekdoten aus dem Theateralltag, Gesangsproben und gar einer Tanzaufführung.

«  Ich kenne mich gut aus mit Menschen, die für ihr Brot arbeiten müssen. »

Uwe Schönbeck
Schauspieler

Diese Rolle habe viel mit ihm selbst zu tun, antwortet Uwe Schönbeck auf die Frage, wie viel Schönbeck denn in diesem Bieder stecke. «Ich selbst komme aus dem Ruhrgebiet, mein Vater war Bergarbeiter. Ich kenne mich also sehr gut aus mit den Menschen, die für ihr Brot arbeiten müssen.»

Uwe Schönbeck, der ausgebildete Opernsänger, war 1991 durch den damaligen Intendanten Eike Gramss an das Berner Stadttheater geholt worden. Nach einer schweren Funktionsstörung seiner Stimme setzte er vermehrt aufs Schauspiel. Und seit 2007, als er das Ensemble des Berner Stadttheaters verlassen hat, tritt er auch immer häufiger alleine auf. So etwa mit seinen Soloprogrammen in der Berner La Capella. Deswegen sei er aber nicht zu einem einsamen Wolf geworden, der es nicht haben könne, wenn noch sonst jemand auf der Bühne steht. «Ich bin ja auch viel unterwegs.»

Mehr Freiheiten

Worin besteht der Reiz, alleine auf der Bühne zu stehen? «Es ist erst einmal sehr einfach zu Disponieren. Ich habe ja kein Ensemble zu Hause in der Küche stehen», so Schönbeck. Und dann besitze er auch einfach viel mehr Freiheiten. Er könne Themen bringen, die ihn faszinierten, so etwa die Lyrik.

Auch die Beziehung zum Publikum verändere sich, wenn man als Ein-Mann-Unterhalter auf der Bühne steht. «Für mich ist es auch wichtig, das Publikum als Gesprächspartner zu haben.» Ausserdem sei im Verlaufe seiner doch schon über 25 Jahre in Bern auch ein gewisses Stammpublikum herangewachsen, meint Schönbeck. «Deshalb kann es durchaus sein, dass ich mit jemandem aus dem Publikum auch mal ein Bier trinken gehe.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)