Waffenplatz als Flüchtlingsunterkunft löst Kritik aus

In Thun löst der Entscheid, Flüchtlinge auf einem Waffenplatz unterzubringen, bei Politikern von links bis rechts Kopfschütteln aus.

Video «Waffenplatz als Flüchtlingsunterkunft löst Kritik aus» abspielen

Waffenplatz als Flüchtlingsunterkunft löst Kritik aus

3:36 min, aus Schweiz aktuell vom 1.12.2015

In den beiden Panzerhallen stehen zurzeit noch jede Menge Militärfahrzeuge. Doch diese werden bald umparkiert. Denn nächstens werden in den beiden Hallen Betten aufgestellt, Sanitäranlagen aufgebaut und ein grosser Zaun rund um das Hallengelände aufgezogen. Dann ist die Unterkunft bereit für rund 600 Flüchtlinge, die hier einquartiert werden sollen.

Kopfschütteln in Thun

In Thun löst der Bundesentscheid Kopfschütteln aus. Von links bis rechts stören sich Politikerinnen und Politiker daran, dass Flüchtlinge auf einem Waffenplatz untergebracht werden, der noch in Betrieb ist. Philippe Deriaz, SVP-Stadtrat, findet es nicht besonders klug, Kriegsflüchtlinge an einem Ort unterzubringen, an welchem beispielsweise in unmittelbarer Nähe der Flüchtlinge «Panzer mit scharfer Munition» vorbeifahren würden. Er frage sich deshalb, ob ein Waffenplatz der richtige Standort für eine Asylunterkunft sei.

Auch bei der SP bekundet man Mühe mit dem Bundesentscheid: «Es sind Leute, die aus einem Kriegsgebiet kommen und traumatisiert sind von Waffen, Panzer und Militär und werden nun täglich mit dem konfrontiert , wovor sie geflohen sind», sagt Piero Catani. «Ich frage mich, wie das zusammen geht.»

Auch beim Thuner Gemeinderat hat der Entscheid Fragen aufgeworfen: Man habe sich auch gefragt, ob es sinnvoll sei, Kriegsflüchtlinge auf einem Waffenplatz unterzubringen, sagt Gemeinderat Peter Siegenthaler. Aber der Bund habe klar gemacht, dass das kein Problem darstelle.

«Aufklärung hilft»

Martin Reichlin vom Staatssekretariat für Migration sagt dazu, dass der Bund die Erfahrung gemacht habe, dass Aufklärung helfe: «Wenn wir den Flüchtlingen die Rolle der Schweizer Armee erklären und ihnen sagen, dass Armeeangehörige keine Bedrohung sind, dann gibt es keine Probleme.»

Reichlin sagt zudem, dass man bis jetzt bei keinem Bundesasylzentrum grössere Probleme irgendwelcher Art gehabt habe, insbesondere auch, weil man ein gutes Sicherheitskonzept habe.