Wallis gibt weiteren Wolf zum Abschuss frei

Das Raubtier hat im Sommer 44 Schafe gerissen. Und dabei möglicherweise den Herdenschutz ausgetrickst. Der Wolf griff nämlich Schafe an, die in einem Nacht-Gehege in Sicherheit waren. Er ist der zweite Wolf, der dieses Jahr ins Visier der Wildhüter gerät.

Ein Wofl im Gras. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein weiterer Wolf treibt im Wallis sein Unwesen. (Symbolbild) Keystone

Staatsrat Jacques Melly ordnete am Dienstag den Abschuss des Wolfes an, der zwischen dem 25. Juni und dem 25. August im Turtmanntal und der Augstbord-Region 44 Schafe gerissen hat, wie die Walliser Staatskanzlei mitteilte. Der Entscheid stütze sich auf das Jagdgesetz und die Jagdverordnung des Bundes.

«  Die Abschussbewilligung gilt für 60 Tage und solange es auf den betroffenen Alpen noch Schafe hat. »

Kanton Wallis
Staatskanzlei

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Gemäss der eidgenössischen Jagdgesetzgebung darf ein Wolf dann abgeschossen werden, wenn dieser in seinem Streifgebiet mindestens 15 Schafe getötet hat, nachdem im Vorjahr bereits Schäden zu verzeichnen waren. Die Schäden dürfen allerdings nur berücksichtigt werden, wenn zumutbare Schutzmassnahmen ergriffen worden sind.

Staatsrat Melly kam zum Schluss, dass die Alpbetreiber von Törbel-Bürchen und Oberems-Turtmanntal die betrieblich zumutbaren Massnahmen umgesetzt haben, so zum Beispiel das Zusammenlegen der Alpen, die ständige Behirtung, Umzäunungen und Nachtpferchen. Im Oberems-Turtmanntal wurden zudem auch Schutzhunde eingesetzt.

Staatsrat Melly erachtete die gesetzlichen Bestimmungen für die Abschussbewilligung deshalb als erfüllt. Trotz der Herdenschutzmassnahmen griff der Wolf in der Augstbord-Region zuletzt auch eine geschützte Koppel an und tötete eines der Schafe.

Herdenschutz hat nicht versagt

Der Walliser Jagdinspektor und Dienstchef Peter Scheibler bestätigt einen Angriff auf ein Nachtgehege. Allerdings sei nicht mehr nachvollziehbar, ob der Wolf ins Gehege eingebrochen sei oder ob die Schafe die Umzäunung in Panik gesprengt hätten.

Er stellt aber in Abrede, dass damit der Herdenschutz gescheitert sei. «Ein Nachtpferch ist nur eine mögliche Schutzmassnahme und noch sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.»

So habe die zuständige Dienststelle für Landwirtschaft in der Augstbord-Region noch keine Herdenschutzhunde eingesetzt. Allerdings diskutiere man jetzt, ob man die Elektrodrähte der Nacht-Gehege mit flexiblen Netzen ersetzen soll, die besseren Schutz böten.

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