Kinder aus Tschernobyl Walliser Gasteltern sind schwer zu finden

Kinder aus verstrahlten Gebieten in Weissrussland kommen seit 20 Jahren ins Wallis. Betreuungsplätze sind rar.

23 Kinder aus Weissrussland verbringen in diesen Wochen Ferien im Wallis. Sie unterzubringen war schon immer eine Herausforderung, erinnert sich die langjährige Präsidentin des Vereins «Hoffnung für Kinder aus Tschernobyl». Allerdings sei es mit den Jahren immer schwieriger geworden. Das liege wohl am zunehmenden Egoismus.

«  Wir leben in einer Gesellschaft, die auf sich selbst ausgerichtet ist. »

Rosemarie Bumann-Broger
Vereinspräsidentin

Das stellen auch einige der Gastmütter fest. Sibylle Fankhauser etwa hat sich lange überlegt, ob sie tatsächlich mitmachen will. Sie hat die Erfahrung gemacht: Drei Wochen für Kinder aus Weissrussland zu sorgen, ist mit viel Arbeit verbunden. Es sei bestimmt einfacher, einen Geldbetrag an eine soziale Institution zu überweisen um sein schlechtes Gewissen zu befriedigen, anstatt sich auf diese Weise zu engagieren, sagt die dreifache Mutter.

Ein Problem ist auch, dass die Atomkatastrophe von Tschernobyl mittlerweile 31 Jahre her ist. In einer Zeit, in der die Menschen täglich von neuen Katastrophen und Kriegen erfahren, geht auch ein Super-GAU wie die Kernschmelze im April 1986 beinahe vergessen. Das stellen auch die weissrussischen Mitarbeiterinnen der Stiftung fest, welche dem Walliser Verein seit 20 Jahren Kinder aus sozial benachteiligten Familien vermittelt.

«  Manche Leute haben noch nie von Tschernobyl gehört. Oder aber sie haben davon gehört und es nun wieder vergessen.  »

Mila Yaroshevich
Mitarbeiterin Stiftung «Freude der Kinder»

Es sei immer schwerer, die Menschen daran zu erinnern, dass die Folgen bis heute andauern würden und auch die Kinder betreffen, die zur Zeit des Unglücks noch nicht geboren waren.

Die Kinder aus den verstrahlten weissrussischen Gebieten kämpfen mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen: Viele haben ein sehr schwaches Immunsystem. Sie sind deshalb oft erkältet. Aber auch Krankheiten der Schilddrüse und schlechte Zähne sind weit verbreitet und eine Folge des Atomunglücks vor über 30 Jahren.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis; 17:30 Uhr)