Wenn aus der Dorfbeiz ein Computergeschäft wird

Zwei Drittel der Restaurants rentieren nicht. Die Gemeinde Oberdiessbach sorgt sich deshalb um ihre Gastrokultur. Ein Verein sucht nun nach Lösungen.

Gebäude mit Schriftzug «Gasthof Rebstock» und neuen Büro-Logos. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hier gibt es nichts mehr zu Essen: Im Gasthof Rebstock in Oberdiessbach sind nun Büros. SRF

Oberdiessbach kann sich nicht über zu wenig Gaststätten beklagen. Ob der Sternen oder der Löwe, ein Bistro oder eine Pizzeria: Die Auswahl ist gross. Doch in den letzten Jahren gingen Restaurants zu, einzelne Dörfer in der Region haben gar keines mehr. «Stirbt ein Restaurant, stirbt auch immer ein Teil der Seele eines Dorfes», sagt Hanspeter Schmutz vom Verein «Zäme für Oberdiessbach» und Gemeinderat in Oberdiessbach. Da die Wirte in der Schweiz wirtschaftlich immer mehr unter Druck geraten, fürchten auch die Oberdiessbacher das «Beizensterben».

«  Stirbt ein Restaurant, stirbt auch immer ein Teil der Seele eines Dorfes »

Hanspeter Schmutz
Verein «Zäme für Oberdiessbach»

Das Problem der Wirte: Die Gäste geben immer weniger Geld aus. «Sie sparen überall, verlangen aber immer bessere Qualität», sagt Urs Weyermann, Besitzer des Hirschen in Langnau.

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Bildlegende: Urs Weyermann passt seinen Betrieb laufend an. SRF

«Wir passen uns den Wünschen an, bieten kleinere Gerichte und setzten auf Währschaftes», sagt Weyermann. So könne sich der Hirschen von anderen abheben. Auch bietet Urs Weyermann in seinem 600 Jahre alten Gewölbekeller 300 Weine an und organisiert dort Apéros. «Solche Angebote sind gefragt», meint der Besitzer des Hirschen.

Genau solches Engagement wünscht sich Hanspeter Schmutz, der in Oberdiessbach für die Beizenkultur der Region kämpft. «Die Wirte sollen an einen Tisch sitzen und diskutieren, wer was macht.» Das Ziel: Mit solchen Treffen würde das Angebot vielfältig bleiben und die Überlebenschance der Betriebe steigen.

«  Die Gäste sparen überall  »

Urs Weyermann
Besitzer Hirschen Langnau

Die Wirtin des Sternen in Oberdiessbach ist skeptisch gegenüber der Idee, dass Wirte gemeinsam Lösungen suchen sollten. «Jeder schaut am Schluss für sich selbst», findet Tamara Wüthrich.

Auch der Gastrokritiker Stefan Schramm weist auf die Grenzen solcher Absprachen hin: «Das ist Wunschdenken». Die Wirte sollten sich aber schon austauschen, meint Schramm vom Magazin «Salz&Pfeffer». «Denkbar sind gemeinsame Auftritte gegen aussen, beispielsweise in der Werbung.»