Wenn die Bürofrau in die Werkstatt muss

Energie Wasser Bern verordnet den Mitarbeitenden einen Job-Besuch. Büroleute müssen sägen, schleifen und schweissen. Das soll das gegenseitige Verständnis fördern.

Die 27-jährige Projektleiterin Melinda Bloch hat sich die Büetzerhosen angezogen und die edlen Schuhe gegen werkstatttaugliche eingetauscht. Sie besucht den Metallbauer Walter Kindler in der Werkstatt in Ausserholligen bei Bern. Sie hilft ihm einen Tag schweissen und schleifen. «Ich erhalte einen spannenden Einblick in eine neue Welt», sagt die zierliche Frau.

Ihre Augen strahlen hinter der Schutzbrille. «Ich sehe direkt vor Ort, was andere den ganzen Tag leisten», meint Melinda Bloch. «Das fördert hoffentlich das Verständnis für unsere Arbeit», meint ihr Gastgeber, Metallbauer Walter Kindler.

Die Idee des Austausches ist, den Zusammenhalt im Unternehmen zu stärken und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Personalumfragen beim Berner Energieversorger haben ergeben: vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist nicht klar, was ihre Kolleginnen und Kollegen leisten. «Das Job Visiting läuft erst seit Sommer, doch die gegenseitige Wertschätzung ist schon gestiegen», bilanziert der stellvertretende Personalleiter von Energie Wasser Bern, Michel Zahnd.

«  Die gegenseitige Wertschätzung steigt »

Michel Zahnd
stv. Personalleiter

Bürofrau Melinda Bloch geniesst den Tag in der Werkstatt. Ihr gefällt auch, dass sie während des Tages für Reparaturen nach draussen gehen kann. «Schade geht der Besuch nur einen Tag», meint sie. Metallbauer Walter Kindler hat seinen Besuch im Büro noch vor sich. Er muss zur Kommunikationsleiterin. «Mal schauen, was mich da erwartet.»