«Wir leben unser gemeinsames Pfarramt»

Martin und Eva Leuenberger teilen sich die Pfarrstelle in Amsoldingen. Sie trauen Menschen, machen Krankenbesuche, wirken in der Krabbelgruppe und öffnen ihre Türen und Ohren für alle Menschen, zu jeder Zeit. Setzt der Kanton Bern seine Sparpläne um, sei ihre Arbeit nicht mehr zu leisten.

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Bildlegende: Eva Leuenberger neben ihrem Mann Martin - Pfarrleute von Amsoldingen. SRF

Die 100 Prozent Stelle - die sich Martin und Eva Leuenberger teilen - reiche, damit sie ihre Vorstellung eines guten Pfarramtes leben können. «80 oder 60 Prozent reichen dafür nicht», sagen Leuenbergers gegenüber dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF.

Doch was wäre die Alternative? Nur noch Beerdigungen, Trauungen und Taufen? «Als solche Grundversorger können wir unserer Vorstellung einer funktionierenden Pfarrei nicht gerecht werden», sagt Martin Leuenberger. Dem vernetzten Gemeindeleben würde die Grundlage entzogen.

Grössere Pfarreien seien keine Variante, erklären Eva und Martin Leuenberger. Die Menschen würden nicht in eine Kirche gehen, die nicht im Dorf stehe. Eine Reissbrettlösung vom Kanton sei kaum praktikabel. Sparen liesse sich einzig, wenn die Kirche einen Teil ihrer Aufgaben an Freiwillige auslagert. «Doch woher sollen die kommen», fragt Eva Leuenberger.

Grossrat Adrian Wüthrich (SP) vertritt im Gespräch im Radiostudio die Ansicht, man solle sich überlegen, ob der Kanton Bern nicht vor allem die seelsorgerischen Aufgaben der Pfarrer finanzieren sollte.

Michael Graf vom Pfarrverein Bern Jura Solothurn stellt sich auf den Standpunkt, dass Seelsorge nur dann gut zu leisten sei, wenn sich Pfarrer und Gemeindemitglieder insbesondere bei sozialen Kontakten im Gemeindealltag begegnen und kennenlernen würden.