Davide Pedrotti mit Nebengeräuschen zum Kantonsrichter gewählt

Die Wahl der Kantonsrichter geht normalerweise ohne grössere Nebengeräusche über die grossrätliche Politbühne. Die Ämter werden üblicherweise nach der Stärke der Parteien vergeben. Nicht so dieses Mal, die SVP brachte ihren Kandidaten nicht durch.

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Bildlegende: Davide Pedrotti (parteilos) tritt sein Amt als Kantonsrichter 2017 an. Sabrina Bundi

Der 33-jährige Davide Pedrotti ist seit vier Jahren Präsident des Bezirksgerichts Misox. Heute Donnerstag wählte ihn der Bündner Grosse Rat zum Kantonsrichter mit 88 Stimmen. Der Kandidat der SVP, Fortunat Wolf, hatte keine Chance und erhielt lediglich 25 Stimmen.

Dies erstaunt, da bei den Richterwahlen normalerweise der Parteienproporz berücksichtigt wird. Schon vor Tagen hatten diese Wahlen ihre Schatten vorausgeworfen.

Davide Pedrotti wollte laut eigenen Angaben in die SVP eintreten, allerdings gab es am Schluss Meinungsverschiedenheiten mit der Partei und Pedrotti blieb parteilos. Die SVP hielt daraufhin an ihrem Kandidaten Fortunat Wolf fest.

Vor der Wahl warnte Fraktionspräsident Jan Koch das Parlament, «die Büchse der Pandora zu öffnen» und einen Parteilosen zu wählen. Nach der Wahl erklärte der SVP-Politiker, die Partei überlege sich in vier Jahren wieder einen Kandidaten ins Rennen zu schicken und damit wenn nötig auch den Sitz eines Bisherigen anzugreifen.

Parteienproporz in der Kritik

Für die Wahl von Davide Pedrotti dürfte nebst seinen Qualifikationen auch seine Herkunft entscheidend gewesen sein. Der Jurist aus dem Misox ist italienischer Muttersprache, dies sei wichtig, hatten vor allem Vertreter aus Südbünden im Rat hervorgehoben.

Ob in vier Jahren wieder der Parteienproporz gilt, ist noch unklar. Die Justizkommission möchte die Richterwahlen entpolitisieren und die persönliche Qualifikation stärker gewichten. Ein entsprechender Vorstoss sei momentan in Arbeit, so Kommissionspräsident Allesandro della Vedova.

Im Amt bestätigt wurden die fünf bisherigen Kantonsrichter.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden; 17:30 Uhr; lies/habs