Ein Leben für verworrene Lebenssituationen

Während 27 Jahren leitete Andrea Ferroni das Bündner Sozialamt. Kompetenz, Professionalität und Rechtssicherheit: Für den 65jährigen ist zentral, dass die Sozialhilfe alle Menschen gleich behandelt.

Letzter Arbeitstag von Andrea Ferroni war der 29. Februar 2016. Wie jeden Montag habe die Geschäftsleitungssitzung stattgefunden: «Ich hatte mit einer lockeren Runde gerechnet», doch sei man wieder bei einigen Grundsatzdiskussionen gelandet – ein Zeichen dafür, wie man beim Sozialamt arbeite.

Die richtigen Leute am richtigen Platz

Seit 1988 arbeitete Andrea Ferroni beim Kanton, zuerst beim damaligen Fürsorgeamt, in den letzten 27 Jahren als Leiter des Bündner Sozialamts. Gut erinnern kann er sich an seinen ersten Tag. Das langsame Tempo der kantonalen Verwaltung sei ein Schock für ihn, den 29jährigen gewesen. Er habe sich gefragt: «Gibt es nicht schnellere Lösungen?» Heute sei die Situation besser.

Im Gespräch streicht der ehemalige Leiter des Sozialamts heraus, wie wichtig Rechtssicherheit und Professionalität seien. Manchmal kämen Leute mit verworrenen Lebenssituation zur Sozialhilfe. Für ihre Betreuung brauche es ausgebildetes Personal und ein solides Recht, das für alle gleichermassen gelte. Im sei deshalb die Personalpolitik des Sozialamts und damit das richtige Know-How am richtigen Ort ein Anliegen gewesen.

Herausforderung Flüchtlinge

Bis 2006 war das Sozialamt auch für die Betreuung der Flüchtlinge in den Asylzentren zuständig - eine Aufgabe, die vor 10 Jahren das heutige Amt für Migration übernahm. Heute ist das Sozialamt für die Zeit nach dem Asylentscheid zuständig.

In diesem Zusammenhang nicht kommentieren will Andrea Ferroni die unterschiedlich gute Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge beim Migrations- und Sozialamt. Einzig: Das Sozialamt sei erst dann zuständig, wenn die Kinder und Jugendlichen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht hätten.

1980: Eine völlig andere Welt

Für Andrea Ferroni ist im Rückblick auf seine Tätigkeit im Bündner Sozialbereich frappierend, wie sich die Gesellschaft verändert hat. Damals habe er gedacht, Bedürftigkeit gebe es bald nicht mehr. Doch Familienstrukturen und Erwerbsbiographien hätten sich radikal verändert und damit auch die Anforderungen an die Sozialhilfe.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs