Schwerer Stand für Bündner Jagdgesetz

In der kommenden Woche berät der Grosse Rat die Teilrevision des Jagdgesetzes. Bereits jetzt zeigt sich, dass die Revision bei den Parteien einen schweren Stand hat. Ob das Gesetz überhaupt im Detail beraten wird, ist unklar.

Erlegte Rehböcke liegen in einem Auto zum Abtransport bereit. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erlegte Rehböcke liegen in einem Auto zum Abtransport bereit, aufgenommen am Dienstag, 8. September 2015, in Poschiavo. Keystone

Eigentlich wurde die Revision des Jagdgesetzes von Jägerkreisen angestossen. Der Präsident der Jägerfraktion im Grossen Rat verlangte mit einem Vorstoss, dass die Jagd auf den Oktober ausgedehnt werden sollte. Christian Kasper begründete seinen Vorstoss damit, dass mit einer längeren Jagd die umstrittene Sonderjagd im November verkürzt werden könne.

Heute will Christian Kasper nichts mehr von der Revision des Jagdgesetzes wissen. Die Jägerfraktion will gar nicht auf das Geschäft eintreten, sagt Kasper auf Anfrage.

Erstens habe die Regierung ihren Vorschlag nur halbherzig aufgenommen und zweitens habe sich in der Zwischenzeit gezeigt, dass die verlängerte Oktoberjagd gar keinen Rückhalt in der Jägerschaft geniesse.

Skepsis bei der FDP

Die Vorlage ebenfalls nicht im Detail beraten möchte eine Mehrheit der FDP, wie deren Präsident Bruno Claus erklärt. Zu viel sei in Sachen Jagd noch unklar. Als Beispiele nennt er die Sonderjagdinitiative, die zur Zeit beim Bundesgericht zur Prüfung liegt. Weiter komme bald eine eidgenössiche Jagdgesetzrevision und letztlich stehe auch noch die Initiative für eine naturverträgliche Jagd im Raum. Kurz gesagt, es sei der falsche Zeitpunkt für eine kantonale Jagdgesetzrevision.

Auch in der BDP gibt es Stimmen, die in eine ähnliche Richtung gehen, sagt Fraktionspräsident Gian Michael. Bei der SVP will man noch mehr Fakten zusammentragen und sich Anfang nächste Woche positionieren.

Unterstützung von CVP und SP

Klare Unterstützung erhält die Regierung einzig von der CVP und der SP. Beide wollen das Geschäft im Detail beraten. An die Adresse der Jägerfraktion gerichtet, spricht CVP-Fraktionschef Marcus Caduff gar von Diskussionsverweigerung. Es könnte knapp werden bei der Frage, ob der Grosse Rat auf die Revision eintritt oder nicht.

Sollte diese Hürde geschafft werden, dann wird es auch inhaltliche Differenzen geben, denn die Ausdehnung der Hochjagd auf den Oktober scheint bereits heute chancenlos. Und auch die geplante Alkoholpromillegrenze ist sehr umstritten.

Ebenfalls ins Parlament kommt nächste Woche die «Initiative für eine naturverträgliche und ethische Jagd». Die Regierung möchte dieser Initiative die geplante Jagdgesetzrevision als indirekten Gegenvorschlag gegenüberstellen.