Spannung um fünften Sitz in der Bündner Regierung

Hätte Graubünden Anfang Februar eine neue Regierung bestimmt, würden alle Bisherigen wieder gewählt. Barbara Janom Steiner von der BDP würde das beste Resultat machen. Neu in der Regierung wäre Heinz Brand von der SVP. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage.

Porträts der vier Bisherigen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bisherigen Janom, Cavigelli, Rathgeb und Jäger kandidieren erneut. In der Umfrage wurden sie benotet. Keystone/montage srf

Die Bündner Finanzdirektorin Barbara Janom Steiner kommt bei der Bevölkerung gut an. 56 Prozent der Befragten geben an, der Engadinerin ihre Stimme geben zu wollen. Dabei fällt auf, dass Janom Steiner nicht von einem Frauenbonus profitiert. Der Zuspruch ist bei beiden Geschlechtern etwa gleich gross.

Am zweitmeisten Stimmen würde Mario Cavigelli von der CVP holen. Auf Platz drei und vier kämen Christian Rathgeb von der FDP, dicht gefolgt vom Sozialdemokraten Martin Jäger. Beide haben einen deutlichen Abstand zu den beiden Bestplatzierten.

Während Janom und Cavigelli im Schlafwagen wiedergewählt würden, können sich die beiden anderen Bisherigen nicht in 100-prozentiger Sicherheit wiegen.

Brand und Parolini in Lauerstellung

Spannung verspricht das Rennen um den freiwerdenden fünften Sitz. Es zeichnet sich ein Zweikampf zwischen Heinz Brand von der SVP und Jon Domenic Parolini von der BDP ab. Jürg Kappeler von den Grünliberalen liegt mit 16 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Bei der Analyse der Wahlumfrage fällt auf, dass sowohl Parolini wie auch Brand vor ihrer eigenen Haustüre viele Stimmen holen. Der Name Parolini fällt häufig im Engadin, der von Nationalrat Brand wird von einer Mehrheit der Befragten im Prättigau genannt.

Insgesamt würden 31 Prozent der Befragten Jon Domenic Parolini auf ihren Wahlzettel schreiben. Damit würde er gegen Heinz Brand den Kürzeren ziehen. Der SVP Nationalrat käme auf 35 Prozent und würde in den Regierungsrat einziehen.

Die Unterstützung der eigenen Leute ist Heinz Brand gewiss. 84 Prozent der Befragten mit einer Nähe zur SVP würden ihn wählen. Ausserhalb der Partei spielt ein Anti-SVP-Reflex. Menschen mit anderer politischer Gesinnung wollen ihm, Stand Februar, nur begrenzt ihre Stimme geben.

Genau umgekehrt ist es beim Scuoler Gemeindepräsidenten Jon Domenic Parolini. Die Unterstützung ausserhalb der eigenen Reihen ist bei ihm grösser. Bei Leuten, die sich der BDP nahe fühlen, würden ihm lediglich 58 Prozent die Stimme geben.

Bisherige erhalten genügende Noten

Bei der Umfrage ging es auch um die Glaubwürdigkeit der bisherigen Regierungsräte. Wie hoch stehen sie in der Gunst der Bevölkerung? Fazit: Überflieger gibt es keine. Alle vier erhalten ein genügend bis gut. Mit Note 4,5 erhält Barbara Janom Steiner die beste Wertung. Ihr Kollege Martin Jäger liegt mit 4,0 auf den letzten Platz.

Das Meinungsforschungs-Institut DemoSCOPE befragte vom 27. Januar bis 11. Februar für RTR, die Südostschweiz und das Regionaljournal Graubünden von Radio SRF telefonisch insgesamt 1002 in Graubünden wahlberechtigte Personen ab 18 Jahren. Die Umfrage ist repräsentativ. Es wurden zufällig ausgewählte Privathaushalte kontaktiert, und die Antworten wurden anschliessend auf die Bevölkerungsstruktur und die Nationalratswahlen 2011 gewichtet. Der Messfehler beträgt max. +/-3.1%.